Von Dildodrohnen und lolzcat

Durch arte Tracks wurde ich auf die Künstlerin Addie Wagenknecht aufmerksam, deren Arbeiten sich im Kern um die »Kritik an Technikgläubigkeit«1 drehen. Experimentell und »positiv trashig« verarbeitet sie aktuelle, gesellschaftliche Themen oder stellt Historisches in Bezug zur heutigen Welt.

»Webcam Venus«

In ihrem Projekt »Webcam Venus« bittet sie beispielsweise gemeinsam mit Pablo Garcia, »online sexcam performers«2 vor der Kamera zu posen – in der gleichen Pose wie ein gegenübergestelltes Renaissance-Gemälde. Dabei geht es um die Frage nach Schönheit in unserer Gesellschaft, aber auch um die Menschen hinter der Webcam, die – dort am anderen Ende – auch reale Personen sind. Ihre Privatsphäre und Intimität wird dabei in die Welt getragen und die Grenzen zwischen dem realen und virtuellen Leben verschwimmen zunehmend. Auch die virtuelle Welt ist Teil des Realen.

»Pussy Drones«

Dass die virtuelle Welt Teil des Realen ist und sich unsere Onlinewelt auf die Offlinewelt auswirkt, ist auch ein Teilaspekt der Arbeit »Pussy Drones«. Sie vermischt in gif-Animationen Elemente aus dem Web, wie z. B. Katzen, die auf einem Vibrator fliegen, mit Elementen aus dem »realen« Leben. Gleichzeitig beschäftigt sich die Arbeit, wie auch andere zuvor, mit der Rolle der Frau. Noch immer kämpfen Frauen – v.a. in der Technikwelt – um Gleichstellung und Akzeptanz. Noch immer scheint die Aufgabe der Frau stark davon geprägt zu sein, ein klares geordnetes Leben zu führen, das aus einer gesellschaftlich diktierten Abfolge von Heirat, Haus und Kinder besteht.3

Es könnte – spekuliert – auch eine Kritik an der Ökonomisierung des Webs sein. In den 90er Jahren – zu Beginn des World Wide Webs – hielt man das WWW für einen Nischenraum, in der sich z. B. Kunst unter anderen Bedingungen als in der realen Welt ausbreiten könnte. Nach anfänglichen Schwierigkeiten (Dotcom-Blase) wurde aber auch dieser Raum zum einen wirtschaftlich erschlossen, zum anderen ist er zwischenzeitlich alles andere als ein anonymisierter Nischenraum, der nichts mit der realen Welt zu tun hat.

»Pussy Drones« von Addie WagenknechtI
»Pussy Drones« von Addie WagenknechtII

Mit den Arbeiten von Addie Wagenknecht möchte ich mich gerne in meiner weiteren Recherche beschäftigen. Sie scheint ihre Meinung, Kritik oder Sorgen mit klarem Verstand auf den Punkt bringen zu können, was ich in der heutigen Zeit sehr beeindruckend finde. Des Weiteren fällt mir die experimentelle und die oben erwähnte »positive Trashigkeit« auf. Sie schafft es auf unkonventionelle Weise Arbeiten zu schaffen, die sehr direkt und tiefgründig sind. Ohne endlose Ausschmückungen und großes BlaBla.

Quellen
  1. Arte Tracks News (Hg.): »Addie Wagenknecht«, Stand: 5.9.2015, URL: http://tracks.arte.tv/de/addie-wagenknecht, abgerufen am 12.10.2015.
  2. Wagenknecht, Addie: »Webcam Venus«, Stand: 5.3.2013, URL: http://fffff.at/webcamvenus/, abgerufen am 12.10.2015.
  3. Vgl. bitforms gallery (Hg.): »Addie Wagenknecht«, URL: http://www.bitforms.com/wagenknecht/pussy-drones, abgerufen am 12.10.2015.
Abbildungen
  1. Titelbild: Wagenknecht, Addie; Garcia, Pablo: »Pussy Drones«, Einzel-GIF »Pussy Drones in space«, Animiertes GIF, USA 2013.
  2. Wagenknecht, Addie; Garcia, Pablo: »Pussy Drones«, Einzel-GIF »Pussy Drones infiltrate Wal Mart«, Animiertes GIF, USA 2013.