Mögliche Wege meiner Master-Arbeit

In meiner Zwischenbesprechung mit Alain Yimbou am 28.3.2018 geht es um den aktuellen Stand meines Master-Projekts sowie um die mögliche praktische Umsetzung. Mein Thema, das den Arbeitstitel »evolution of a medium« trägt, zielt auf die kulturellen, technologischen und visuellen Veränderungen des World Wide Webs von Beginn an.

In meiner Zwischenbesprechung mit Alain Yimbou am 28.3.2018 geht es um den aktuellen Stand meines Master-Projekts sowie um die mögliche praktische Umsetzung. Mein Thema, das den Arbeitstitel »evolution of a medium« trägt, zielt auf die kulturellen, technologischen und visuellen Veränderungen des World Wide Webs von Beginn an.

Mögliche Inhalte

Kulturell sind für mich die Verformung der Gesellschaft, die Auflösung geographischer Grenzen, die Infosphäre, die Neuordnung von Raum und Zeit sowie das Web als Abbild der Kultur interessant. Technologisch könnte man das Web als jeweiligen Prototype der nächsten Entwicklung sehen. Zudem ist die Technologie als Motor und Lösung spannend für mich. Entwicklungen im Frontend, wie beispielsweise die Erstellung von Web-Layouts mit Tabellen, Floats, Flexbox oder CSS Grid gehören dabei fast schon in den visuellen Bereich.

Während kulturelle und technologische Aspekte vielmehr eine Nebenrolle spielen werden, steht vor allen Dingen der visuelle Part im Vordergrund. Nachdem das Web anfänglich mit seinen sehr gegenständlichen UI-Elementen eher eine Übersetzung der materiellen Welt war, evolviert es zunehmend zu einem eigenen Medium. Weiter halte ich den Verlauf von einer »No-Layout-Ära« hin zu sehr statischen Layouts und zurück zu fluiden Umsetzungen für sehr wichtig. Auch hier ist zu sehen, dass sich das Web zunächst sehr am Printbereich orientiert hat, um sich dann als eigenes Medium zu etablieren. Die Veränderung der grafischen Benutzeroberflächen, basierend auf kulturellen Lernprozessen und technologischem Fortschritt, ist ein weiterer essenzieller Bestandteil.

Theoretischer Teil

In meinem theoretischen Part möchte ich mich neben der historischen Entwicklung des World Wide Webs und grafischer Benutzeroberflächen mit Informationssystemen, medientheoretischen Inhalten sowie allgemeinen Konzepten des World Wide Webs auseinandersetzen. Dieser Bereich bietet zwar nur oberflächliche Einblicke, hilft mir jedoch zur Orientierung und zur Erfassung des Gesamtkontexts.
Im Bereich der Informationssysteme werde ich mich unter anderem mit Paul Outlet, Vannevar Bushs Memex, J.C.R. Licklider, Ted Nelson, Doug Engelbart und Bill Atkinsons HyperCard beschäftigten. Im medientheoretischen Teil möchte ich Einblicke in die Theorien von Marshall McLuhan, Vilem Flusser, Luciano Floridi, Byung-Chul Han oder Felix Stalder geben. Hier muss eine weitere Auswahl oder Erweiterung zeigen, welche Inhalte tatsächlich relevant für meine Arbeit sein werden. Im allgemeinen könnten Konzepte wie z. B. das von Linked Open Data bereichernd sein.

Praktische Ansätze

In welche exakte Richtung mein praktisches Projekt gehen könnte, ist momentan noch unklar. Für ein spannendes Detail halte ich die zeitliche Einordnung. In diesem Jahr wird das freie World Wide Web 25 Jahre alt und das erste Proposal jährt sich im kommenden Jahr zum 30. Mal. Ich kann mir sowohl eine Ausstellung im World Wide Web als auch im realen Raum vorstellen, wobei wir die ausschließliche Präsentation im Web während des Gesprächs ausgeschlossen haben. Um die digitalen Ergebnisse physisch greifbarer zu machen, macht es durchaus Sinn eine Exposition im realen Raum zu entwickeln. Wie die finale Umsetzung aussehen könnte, muss sich allerdings während meiner weiteren Arbeit herauskristallisieren.

Wie in meinem Beitrag »evolution of a medium« schon ausgeführt, kann ich mir vorstellen, eigene Räume zu bauen und Elemente des Webs, wie beispielsweise den berühmten Sternenhimmel oder MIDI-Sound, ins Analoge zu transportieren. Weiter wäre die Übersetzung von UI-Elementen mithilfe von 3D-Druck denkbar. Im vergangenen Beitrag beschreibe ich mögliche weitere Komponenten, welche ich an dieser Stelle nicht weiter ausführen möchte.

Ausblick

Meine Arbeit könnte Fragen nach zukünftigen Veränderungen beinhalten. Sowie der Einsatz von Natural User Interfaces vieles in der Gestaltung verändert hat, gehe ich davon aus, dass Conversational User Interfaces, Voice Interfaces oder dergleichen massive Auswirkungen auf grafische Benutzeroberflächen haben werden. Auch das Konzept von Linked Open Data beziehungsweise die generelle – auch automatisierte – Darstellung von Informationen wird sicher noch viele, neue Herausforderungen für Gestalter mit sich bringen.
Vor allem die neueren Formen von Interfaces als auch die Verwendung von Technologien wie Eye-Tracking und Augmented oder Virtual Reality, könnten aus meiner Sicht die Auflösung aktueller Formen von grafischen Benutzeroberflächen mit sich bringen.

Inspirierende Projekte

Abschließend habe ich inspirierende Projekte zusammengefasst, welche ich innerhalb meiner Master-Dokumentation behandelt habe. Dazu gehört »Once Upon« von Olia Lialina und Dragan Espenschied, welche im Jahr 2011 soziale Netzwerke mit den technologischen Möglichkeiten von 1997 nachbauten. Weiter inspiriert mich von den beiden Netzkünstlern »One Terabyte of Kilobyte Age«, welches ein Archiv von geocities-Seiten darstellt, die kurz vor Schließung des Dienstes gesichert wurden. Bei beiden gefällt mir vor allen Dingen die visuelle Komponente, welche die visuelle Ästhetik der 90er Jahre widerspiegelt. »Grosse Fatigue« stellt für mich eine großartige, poetische Form dar, ein Thema zu behandeln. Eine beeindruckende Verbindung zwischen theoretischen Inhalten und visueller Darbietung sehe ich zudem in den Projekten »In Pieces« von Bryan James, »Pulse« von Markus Kison und »Laws of UX« von Jon Yablonski.

Für meine Abschlussarbeit möchte ich eine visuelle Form finden, welche die Inhalte direkt und ohne Umschweife kommuniziert und die Ästhetik des Webs gleichermaßen mit aufnimmt.

evolution of a medium

Mein Master-Projekt wird nun immer konkreter. Nach meiner bisherigen Recherche zur Entwicklung des World Wide Web, präzisiert sich meine Vorstellung, welche theoretische Auseinandersetzung und welche praktische Umsetzung Teil meiner Arbeit werden können.

Mein Master-Projekt wird nun immer konkreter. Nach meiner bisherigen Recherche zur Entwicklung des World Wide Web, präzisiert sich meine Vorstellung, welche theoretische Auseinandersetzung und welche praktische Umsetzung Teil meiner Arbeit werden können.

Die erste Fragestellung innerhalb meines Master-Studiums beinhaltet bereits erste Gedanken meines jetzigen Ansatzes. Nichtsdestotrotz habe ich sehr breit recherchiert, da mir auf meinem Weg unzählige spannende Themen begegnet sind, die mich stets in eine neue Richtung gelenkt haben. Ich hatte viele Ideen von zu plump bis zu komplex und habe enorm viel Kraft in die theoretische Arbeit gesteckt. Ich habe viel gelesen und recherchiert, viel geschrieben und verworfen.

Während meiner Master-Zeit hatte ich ab und an das Gefühl den Wagen fälschlicherweise von hinten aufzurollen. Habe mich aber aus Leidenschaft nicht davon abbringen lassen.
Ich habe mir kein Thema XY ausgesucht für das ich nun ein passendes Medium für die praktische Umsetzung suche, sondern ich beschäftige mich von Anfang an mit dem Medium selbst. So liebe ich beispielsweise Netzkunst, weil sie oft eine besondere Art hat mit dem Medium Web umzugehen und eine außergewöhnliche, visuelle Sprache spricht. Ich interessiere mich für die Auflösung virtueller und nicht-virtueller Grenzen, die Veränderung der Gesellschaft durch die virtuelle Welt und für die Theorien von beispielsweise Flusser und McLuhan. Ich bin überzeugt davon, dass sich Schnittstellen zunehmend auflösen und eine neue Art der Kommunikation entsteht. Ich bin begeistert von neuen Technologien und mich bewegen Projekte, die Theorie und Praxis lückenlos verschmelzen.

Letztendlich merke ich jedoch, dass meine Gedanken häufig um ähnliche Themen kreisen. Dazu gehören wiederkehrend die Anfänge und die Entwicklung des World Wide Web, die mich sowohl visuell, technologisch als auch kulturell interessieren. Das Medium selbst wurde lange wie eines behandelt, das ausschließlich die nicht-virtuelle Welt in die virtuelle überträgt. Webseiten waren »Schaufenster« des realen Lebens, Buttons waren zum Teil rote Knöpfe mit Schrift und Baustellenschilder zeigten, dass die Webseite noch in Bearbeitung ist. Das Verständnis für das Medium wächst zunehmend und wir wissen zwischenzeitlich, dass Webseiten so gut wie immer »under construction« sind. Zum einen kann aus meiner Sicht erst eine spezifische, visuelle Sprache für ein Medium entwickelt werden, sobald das Medium verstanden wird – sprich, dass das Web kein Buch ist. Auf der anderen Seite frage ich mich, ob nicht gerade dieser spielerische Umgang mit einem unbekannten Medium – wie er in den 90er Jahren stattfand – die unantastbarste und »originalste« Sprache von allen spricht.
In meiner bisherige Recherche zeigt sich, dass sich die visuelle Sprache immer weiter von der materiellen Welt entfernt und sich das Web zunehmend zu einem eigenen Medium entwickelt. Neben visueller und kultureller Veränderungen, halte ich hierfür auch die technologischen Entwicklungen für sehr wichtig. So nutzte man teils solange wie nötig die default styles für z.B. Buttons und ersetzt sie nach und nach mit Grafiken und letztendlich Code.

Der bisher stärkste Ansatz ist meiner Ansicht nach eine Ausstellung anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des freien Webs. Dabei kann ich mir zum einen eine interaktive Webausstellung vorstellen, aber auch eine nicht-virtuelle Exhibition mit gebauten Räumen voller Sternenhimmeltapeten und MIDI-Sound. Die Ausstellung könnte die Entwicklung des Web zeigen. Dabei wären aus meiner Sicht die visuellen Veränderungen im Vordergrund.
Ich möchte zum einen schon zum Teil gesammelte und katalogisierte UI-Elemente zusammenführen, um grafische Veränderungen deutlich zu zeigen. Die Elemente stammen dabei von verschiedenen Unternehmen, die auch in der Wayback Machine des Internet Archive zu finden sind: https://archive.org/web/. Ein erster Ansatz der Auswahlkriterien ist in meinem Beitrag »Evolution der Webästhetik« zu finden. Dabei steht noch offen, ob diese – dem Plan nach mehrere tausend – Elemente im Zentrum stehen oder einfach nur ein Pattern für die Ausstellung darstellen könnten. Zudem soll eine inhaltlich-kulturelle Komponente hinzukommen, die ich noch erarbeiten muss und eine poetische Ebene enthalten kann. Eine weitere Komponente könnte die Frage nach dem Danach sein, da ich mir unter anderem die Frage stelle, ob grafische Benutzeroberflächen durch neue Technologien wie z.B. Voice Interfaces ersetzt werden können.

An dieser Stelle wird mein Titel »Digitale Primaten« wieder mit der anfänglichen Bedeutung belegt. Nämlich, dass Menschen der Technologie noch immer hinterherhinken und wohl auch nicht mehr aufholen werden. Mein gewählter Arbeitstitel ist »digital primates – evolution of a medium« in englischer oder deutscher Form.

Tim Berners-Lee über das World Wide Web

Im Gespräch mit Barbara Bleisch spricht Tim Berners-Lee in Sternstunde Philosophie über seine Erfindung, das World Wide Web. Dabei kommen Themen wie beispielsweise Linked Open Data, die World Wide Web Foundation, die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine oder künstliche Intelligenz zur Sprache.

Im Gespräch mit Barbara Bleisch spricht Tim Berners-Lee in Sternstunde Philosophie über seine Erfindung, das World Wide Web. Dabei kommen Themen wie beispielsweise Linked Open Data, die World Wide Web Foundation, die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine oder künstliche Intelligenz zur Sprache.

Eine gewaltige kulturelle Veränderung sieht der Begründer darin, dass Gruppen und Kulturen im World Wide Web von der Leidenschaft der Menschen bestimmt werden.1 Um diese durchbrochenen Barrieren vollständig zu nutzen, müssen wir laut ihm lernen, die neu gewonnene Freiheit zu nutzen. Er bewirbt dabei sein Konzept von Linked Open Data, indem er auf die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern hinweist, die sich großen Herausforderungen wie die Bekämpfung von Krebs oder Alzheimer annehmen. Er sieht das Web als vernetzte Menschheit und wenn man in das Netz schaut, sieht man die Menschheit von ihrer guten sowie von ihrer schlechten Seite.2 Zudem ist er überzeugt davon, dass die Leute heutzutage »nicht mehr nur zum Spaß surfen, sondern es benutzen. Sie wissen, dass es riesig ist und kennen die Orte, die sie im Web mögen«3.

Die Erschließung des Planeten

Die Gründung der World Wide Web Foundation im Jahr 2008 basiert auf dem Wunsch, dass das Internet der Menschheit besser dienen soll. Ein wichtiges Ziel war die Verbreitung voranzubringen, da bei Aufnahme ihrer Arbeit erst 10, 15 % der Menschen Zugang zum Web hatten. Zur Zeit des Gesprächs (2015) waren immerhin schon 40 % versorgt,4 was ich noch immer als überraschend wenig empfinde. Er vermutet, dass in den kommenden 1–2 Jahre die 50 %-Marke überstiegen wird5 und durch eine kurze Recherche glaube ich, dass die Marke zurzeit geknackt werden dürfte.

Die Tatsache, dass nur etwa die Hälfte der Menschheit das World Wide Web nutzen kann, wirft bei mir unterschiedliche Gedanken auf. Zum einen wird es in seiner inhaltlichen Masse noch einmal enorm wachsen. Zudem bin ich gespannt, welche kulturelle Veränderungen vollzogen werden, wenn neben der entwickelten Welt andere Stimmen hörbar werden. Des Weiteren wird die Vernetzung mit der restlichen Welt sicherlich sehr viele neue Möglichkeiten eröffnen und einen enormen Fortschritt bedeuten.

Von der Künstlichen Intelligenz überholt

Tim Berners-Lee war schon immer darauf aus, Maschinen in sein System einzubinden. Er ist sich sicher, dass es sehr aufregend wird, wenn es ein gutes Datennetz gibt, welches Unmengen an Maschinen dazu bringen kann miteinander zu sprechen. Sie können dazulernen und verstehen wie die Welt funktioniert. Er ist überzeugt davon, dass wir ein Netz errichten müssen, in dem sich Mensch und Maschine die Aufgaben je nach Kompetenz teilen. Maschinen werden den schweren und die Menschen z. B. den kreativen Part übernehmen.6

Weiter sollten wir darauf gefasst sein, dass die künstliche Intelligenz so schlau wird wie wir Menschen. Früher konnte man sich nicht vorstellen, dass Computer Autos fahren oder Schach spielen. Beides ist nun der Fall und ähnlich ungläubig sind wir heutzutage, was die zukünftige Entwicklung der KI betrifft. Daher fordert er dazu auf, sich schon jetzt Gedanken zu machen, für den Zeitpunkt, wenn dieser Fall eintritt.7 Luciano Floridi sieht in dieser Turing-Revolution die 4. Revolution nach Kopernikus, Darwin und Freud. Er siedelt diese jedoch schon bei Turing an, da der Computer den Menschen schon längst z. B. in der logischen Informationsverarbeitung übersteigt.

Vorangegangene Entwicklungen

Als spannende vorherige Erfindungen nennt der Erfinder des Webs die Bulletin Boards, in die man sich mithilfe des Telefonhörers und einem Modem einwählen konnte. Außerdem erwähnt er Doug Engelbert und Vannevar Bush. Engelbert hatte das Internet nie namentlich erwähnt, sei aber durch die Idee Hypertext zu verwenden, Nachrichten zu versenden und Dinge zu verlinken, konzeptionell sehr nah dran. Bushs Idee der Memex erläutert Berners-Lee sehr praktisch. Memex wäre ein Tisch gewesen, an dem man Mikrofilme hätte lesen können. Am Ende wäre eine Verlinkung zum nächsten und durch einen Knopfdruck wäre ein ganzes mechanisches System in Bewegung gekommen und die Memex hätte einen vom einen zum nächsten Mikrofilm gebracht. Zudem hatte er die Idee Wissenschaftlern Zugang zum Human Record zu erleichtern. Das sind die Aufzeichnungen alldessen, was wir entdeckt haben. Zwar war seine Vision ohne tatsächliche Verwendung von elektronischen Computern, Berners-Lee ist sich aber sicher, dass er sich für die Forschung interessiert hätte.8

Utopische Räume

Einen sehr interessanten Ansatz lässt sich gegen Ende des Gesprächs finden. Auf die Frage, ob er seine Erfindung im Zusammenhang mit Problemen wie Datenschutz, Klimawandel, etc. sieht, hat er einen aus meiner Sicht sehr speziellen und guten Ansatz.
Er ist nicht der Meinung, dass das etwas mit utopischen Räumen zu tun hat. Solche Themen werden in einem wissenschaftlichen Umfeld diskutiert und in diesem Zusammenhang ist es wichtig, unsinnige Ideen von den guten zu trennen, um keine Zeit zu verlieren. Umso wichtiger ist es, dass Stimmen nach oben durchdringen, wenn tatsächlich ein Problem entdeckt wird. Er ist der Meinung, dass wir Systeme entwickeln, die nach Regeln funktionieren und keine utopischen Räume sind. Er ist sich sicher, dass man mit Hilfe von Auswahlsystemen diejenigen Menschen finden kann, welchen wir die richtigen Entscheidungen zutrauen und deren Stimmen wir vertrauen.9

Diese Überlegung finde ich insofern spannend, dass ich überzeugt davon bin, dass sich kompetentere Menschen finden lassen als diejenigen, die tatsächlich die Gesetze verabschieden. Nicht weil diese generell inkompetent sind, sondern weil sie sicher andere Schwerpunkte haben. John Perry Barlow bringt es so auf den Punkt, dass Menschen innerhalb der Regierung unter anderen Umständen geformt worden sind als die Leute, die die meiste Zeit virtuell verbringen. Wie soll jemand, der sich sonst für völlig andere Dinge einsetzt plötzlich entscheiden, ob irgendwelche Algorithmen so verwendet werden können, wie sie sind? Wie soll man ihnen Entscheidungen über das Land überlassen, wenn man vor der Entscheidung erst einmal die Technologie erklären muss? Hier wäre ein Zusammenschluss von wirklichen Experten, die sich tagtäglich unabhängig davon im World Wide Web bewegen, sehr sinnvoll.

Das und viele weitere Fragen tauchen regelmäßig auf, wenn ich mich mit der Arbeit und den Visionen von Tim Berners-Lee auseinandersetze. Erneut war dieses Gespräch sehr inspirierend, da es zum einen neue Gedankengänge öffnet und bei anderen Gedanken für Klarheit sorgt.

Quellen
  1. Vgl. Berners-Lee, Tim, Das Weltrettungsforum, dem nichts heilig ist.: »Tim Berners Lee – Der Erfinder des Internets (Sternstunde Philosophie)«, Stand: 30.8.2015, URL: https://www.youtube.com/watch?v=1uErJzcr3fU, TC: 00:15:41–00:16:21, abgerufen am 8.7.2017.
  2. Vgl. Ebd., TC: 00:16:56–00:18:22.
  3. Ebd., TC: 00:40:57–00:41:08.
  4. Vgl. Ebd., TC: 00:20:47–00:21:38.
  5. Vgl. Ebd.
  6. Vgl. Ebd., TC: 00:31:22–00:32:55.
  7. Vgl. Ebd., TC: 00:52:06–00:53:18.
  8. Vgl. Ebd., TC: 00:43:37–00:45:28.
  9. Vgl. Ebd., TC: 00:48:30–00:49:35.

Herausforderungen der Zivilgesellschaft

Der Artikel »Five things we’ve learned about the future of digital rights« präsentiert fünf zentrale Thesen, die sich in einer Diskussion von führenden Experten des »Stockholmer Internet Forums« herauskristallisiert hatten. In der Gesprächsrunde ging es darum wie sich die Zivilgesellschaft den Herausforderungen stellen kann, welche neue Technologien mit sich bringen. Dabei waren Themen wie Cybersicherheit, Kontrolle personenbezogener Daten oder algorithmischen Transparenz im Vordergrund.

Der Artikel »Five things we’ve learned about the future of digital rights« präsentiert fünf zentrale Thesen, die sich in einer Diskussion von führenden Experten des »Stockholmer Internet Forums« herauskristallisiert hatten. In der Gesprächsrunde ging es darum, wie sich die Zivilgesellschaft den Herausforderungen stellen kann, welche neue Technologien mit sich bringen. Dabei waren Themen wie Cybersicherheit, Kontrolle personenbezogener Daten oder algorithmische Transparenz im Vordergrund.1

Als erste These wird aufgeführt, dass Regierungen das Internet bedrohen, sobald es vom Internet bedroht wird. Gbénga Sèsan klärt auf, dass in Ländern teilweise das komplette Internet durch die Regierung abgeschaltet wird, um unrechtmäßig Kontrolle auszuüben. Häufig werden Hassreden oder Fehlinformationen als Ausrede vorgeschoben.2 Die Kontrolle einzelner, vor allem durch die Regierung oder Unternehmen, widerspricht dabei grundsätzlich der Vision des Erfinders des Internets.

Lisa Garcia führt die zweite These an, welche sich damit auseinandersetzt, dass sich Regierungen gezielt in Online-Diskussionen einklinken und versuchen sie zu steuern. Während des Wahlkampfs auf den Philippinen gab es sogar eine »Armee von Tastaturkriegern«, welche offiziell viele Botschaften verbreitet und Kritiker und Journalisten belästigt hat. Sie hält daher Medienkompetenz, vor allem für Leute, die zum ersten Mal online sind, für extrem wichtig.3

Die dritte These betrifft vor allen Dingen das Internet der Dinge. Wenn alles mit allem verbunden ist, werden komplexe ethische Fragen aufgeworfen. So muss es Lösungen geben, wer Zugang zu den Daten hat, wofür sie verwendet werden und wie sich die Entscheidung auf das Leben auswirkt.
Solana Larsen stimmt bedenklich, da zu große Komplexität lähmen kann. Daher ist es extrem wichtig, dass Experten die Menschen aufklären, damit sie zum einen das digitale Leben verstehen und zum anderen die Kontrolle übernehmen können.4

Malaviya Jayaram warnt davor, dass Länder mit niedrigen Einkommen zu Testgebieten werden. Westliche Praktiken werden dabei ohne die nötigen Schutzmechanismen übernommen. So war beispielsweise in Indien das Problem, dass Fingerabdrücke von landwirtschaftlichen Arbeiten aufgrund der Abnutzung der Finger nicht gelesen werden konnte und damit der Zugang zu wichtigen Dienstleistungen verhindert wurde.5

Die letzte These bringt Renato Rocha Souza hervor. Er setzt sich dafür ein, dass Algorithmen transparent sein müssen. Menschliche Entscheidungen, ob beispielsweise ein Darlehen vergeben wird oder wer zu Universität zugelassen wird, werden zunehmend von Algorithmen übernommen und dadurch massiv von den Vorurteilen der Entwickler sowie den nötigen Daten bestimmt. Das Problem ist dabei, dass man als Konsument kein Wissen darüber besitzt, was in den Berechnungen vorgeht. Damit könnte man die Technologie ablehnen oder ihr blind vertrauen.6

Die Thesen eröffnen mir den Weg für neue Gedanken. Es ist absurd, dass viele Länder noch immer keinen Zugang zum Web besitzen, während es für uns schon lange die größte Selbstverständlichkeit ist. Da ich davon überzeugt bin, dass unsere Entwicklung dadurch um ein vielfaches rascher vorangeht, klaffen die Welten dadurch noch weiter auseinander. Eine weitere Schwierigkeit sehe ich, ähnlich wie Garcia, in der fehlenden Medienkompetenz. Selbst der westlichen Welt fehlt hier sicher noch einiges an Kompetenz, doch konnte sie sich immerhin – parallel zur Erfindung des Webs – langsam an das neue Medium gewöhnen. Und trotz der anfänglichen Euphorie war die neue Welt im Web glücklicherweise überschaubarer und mit weniger Gefahren ausgestattet. Jemand, der nun zum ersten Mal online ist, wird sicher seine Probleme haben und zunächst sehr unkritisch mit dem Medium umgehen. Die Arbeit der World Wide Web Foundation beeindruckt mich daher sehr und ich hoffe, dass sie einiges damit bewegen kann.

Quellen
  1. Vgl. Garcia, Lisa; Jayaram, Malavika; Larsen, Solana; Sèsan, Gbénga; Rocha Souza, Renato, World Wide Web Foundation: »Five things we’ve learned about the future of digital rights«, URL: https://webfoundation.org/2017/05/5-things-weve-learned-about-the-future-of-digital-rights/, abgerufen am 14.6.2017.
  2. Vgl. Ebd., Absatz 3.
  3. Vgl. Ebd., Absatz 4.
  4. Vgl. Ebd., Absatz 5.
  5. Vgl. Ebd., Absatz 6.
  6. Vgl. Ebd., Absatz 7.

Meinungsfreiheit, Algorithmen und Fake News

Anlässlich zum 28. Jahrestag des World Wide Webs erscheint ein Brief von Tim Berners-Lee auf der Webseite der Web Foundation mit dem ich mich kurz auseinandergesetzt habe. In den vergangenen 12 Monaten beobachtet er drei kritische Trends, welche es anzupacken gilt, damit sich Web als Werkzeug für die gesamte Menschheit entfalten kann.

Neben dem Verlust über die Kontrolle unserer Daten, sieht er die Möglichkeit falsche Informationen im Netz zu verbreiten und die Undurchschaubarkeit und das Unverständnis über politische Werbung im Web als kritische Punkte.

Anlässlich des 28. Jahrestags des World Wide Webs erscheint ein Brief von Tim Berners-Lee auf der Webseite der World Wide Web Foundation, mit dem ich mich kurz auseinandergesetzt habe.

Seine ursprüngliche Vorstellung, dass das World Wide Web eine offene Plattform ist, die es jedem ermöglicht von überall Informationen auszutauschen oder über geografische und kulturelle Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten, hat sich seiner Auffassung nach in vielerlei Hinsicht verwirklicht. In den vergangenen 12 Monaten beobachtet er jedoch drei kritische Trends, welche es anzupacken gilt, damit sich das Web als Werkzeug für die gesamte Menschheit entfalten kann.1

Neben dem Verlust über die Kontrolle unserer Daten, sieht er die Möglichkeit falsche Informationen im Netz zu verbreiten und die Undurchschaubarkeit und das Unverständnis über politische Werbung im Web als kritische Punkte.

Die Herausgabe unserer Daten gegen kostenlosen Content ist bereits ein viel diskutiertes Thema. Der Begründer des Webs sieht die Problematik zum einen darin, dass die Daten in Nirgendwo verschwinden und für uns unsichtbar sind. Zum anderen hätten wir Vorteile, wenn wir selbst darüber entscheiden könnten, wann und mit wem sie geteilt werden.2
Als weiteren Kritikpunkt sieht er, dass Regierungen Unternehmen nötigen, um jeden unserer Schritte verfolgen zu können und entwickeln Gesetze, die unser Recht auf Privatsphäre verletzen.3
In meinem Beitrag »Cyberspace als neue Heimat des Geistes« bezweifele ich bereits John Perry Barlows Vorstellung, dass wir unsere Meinung frei äußern können ohne in Schweigen oder Konformität gezwungen zu werden. In einigen Ländern ist die freie Meinungsäußerung nach wie vor sehr gefährlich und selbst in einem vermeintlich liberalen Land wie Deutschland gibt es gehäuft Diskussionen über Meinungsfreiheit und Zensur im Netz. Die nicht vorhandene Konformität sehe ich vor allem durch den entstehenden gesellschaftlichen Druck, wenn Inhalte weit gestreut werden können.
Berners-Lee empfindet vor allem die Tatsache, dass Bürger beobachtet werden als sehr abschreckend auf die freie Meinungsäußerung. Das verhindert, dass das Internet als freier Raum genutzt wird, um wichtige sensible Gesundheitsprobleme, Sexualität oder Religion zu erkunden.4 Dass das World Wide Web nicht frei als Informationsquelle genutzt werden kann bzw. nur mit der Sorge im Hinterkopf, dass jeder Schritt gespeichert wird, verletzt den Ursprungsgedanken des Webs, welches als freier Informationsraum konzipiert wurde.

Der zweite Punkt, den Tim Berners-Lee anspricht, steht aus meiner Sicht dem dritten Punkt sehr nah.
Basierend auf immer besseren Algorithmen werden uns auf Social-Media-Seiten und Suchmaschinen Seiten angezeigt, die uns höchstwahrscheinlich gefallen werden. Pro Klick verdienen die Unternehmen Geld und generell können sich dadurch auch Fake News wie ein Lauffeuer verbreiten. Durch den Einsatz von Data Science oder Bots kann dieses System perfektioniert und mit schlechten Absichten ausgenutzt werden.5
Während ich Nachrichten im Social Media außen vor lasse, möchte ich auf die Schwierigkeit eingehen, welche sich aus meiner Sicht bei Suchmaschinen ergibt. Unabhängig davon welche Suchmaschine man nutzt – primär wird Google wohl die Maschine der Wahl sein –, steckt ein gewinnorientiertes Unternehmen dahinter. Dass die Alphabet Inc. mit ihren Angeboten Geld verdienen möchte, sehe ich generell als nicht allzu problematisch an und daher kann man die Schaltung von Anzeigen bei Google oder die Bevorzugung einzelner Webseiten nicht ankreiden. Nichtsdestotrotz sehe ich das Unternehmen nicht nur in Bezug auf die Speicherung von Daten als kritisch an. Auch die Ausbreitung ihrer Angebote in sämtliche Lebensbereiche finde ich bedenklich, da dadurch sehr viele verschiedene Daten an einer Stelle gespeichert werden und ein ganzheitliches Bild der Menschen abzeichnet. Doch das Hauptproblem liegt nicht darin, dass Alphabet Geld verdienen möchte und das mit einer stetigen Verbesserung ihrer Algorithmen und Angebote auch schafft. Das Problem liegt meiner Ansicht nach in der aktuellen Alternativlosigkeit. Keine Karte zeigt besser den Stau und Alternativrouten an, als Google Maps und wer bietet umsonst eine Suchmaschine an, die bestrebt ist immer bessere Ergebnisse zu liefern? Welche Alternative gäbe es, alle Webinhalte in einer Suchmaschine zu durchforsten, ohne dass irgendjemand am Ende der Leitung Profit daraus schlägt? Sei es finanzieller Natur oder ein staatliches Interesse. Ich spreche mich nicht dafür aus, dass das Alphabet-Universum weiter wachsen soll, indem man sich zurücklehnt und das Ganze akzeptiert. Sämtliche Versuche meinerseits andere Suchmaschinen, Karten oder Kalender zu nutzen scheiterten jedoch mangels guter Alternativen.

Der letzte kritische Trend, den Berners-Lee in seinem Brief aufgreift, setzt sich mit der politischen Werbung im World Wide Web auseinander. Allein bei den US-Wahlen 2016 sind 50.000 verschiedene Anzeigen auf Facebook aufgetaucht. Berners-Lee nennt den Fakt, dass die meisten Menschen Informationen von nur wenigen Plattformen nutzen und die politischen Kampagnen auf Grundlage der persönlichen Daten individualisiert werden können. Neben tatsächlicher Information können auch Fake News so einfach verbreitet werden, dass unterschiedliche Personen jeweils unterschiedliche Aussagen vorfinden.6
Die Verbreitung von Fake News war rundum die US-Wahl ein brisantes Thema und Trump selbst nennt bis dahin als seriös geltende Medienunternehmen Fake Media. Meinem Empfinden nach nutzen Amerikaner soziale Netzwerke noch exzessiver als wir es in Deutschland tun, was die Netzwerke für das Verbreiten von Fake News absolut beliebt macht. Und wenn man den ganzen Tag von Fake News liest, wer weiß schon, was am Schluss wirklich Fake News sind? Wenn ich von zehn unterschiedlichen – bis dahin unbekannten – Nachrichtenunternehmen jeweils dieselbe Nachricht angezeigt bekomme: Glaube ich es irgendwann oder bin ich tatsächlich resistent? Was erstmal wie ein schlechter Witz klingt, kann aus der Ferne aber leider nicht wirklich nachvollzogen oder bewertet werden.

Tim Berners-Lee sieht die Probleme als sehr komplex an und weiß, dass die Lösung nicht einfach sein wird. Erste Ansätze sieht er darin mit den Web-Unternehmen zusammenzuarbeiten, damit ein faires Maß an Datenkontrolle entstehen kann. Zudem sieht er den Kampf gegen die Überwachungsgesetze der Regierung als sehr wichtig. Weiter muss gegen Fehlinformationen vorgegangen werden, in dem »Pförtner« wie Google und Facebook ermutigt werden, sich weiter für die Bekämpfung des Problems einzusetzen, um die Bildung zentraler Organe, die darüber entscheiden was wahr und was falsch ist zu vermeiden. Die Transparenz der Algorithmen ist außerdem essenziell, um zu verstehen wie wichtige Entscheidungen, die unser Leben beeinflussen, gemacht werden.7

Alles in allem sehe ich die kritische Entwicklung ähnlich und das spiegelt auch die Themen wider, über die häufig in den Medien berichtet wird. Beruhigend ist, dass durch den Brief zumindest das Gefühl entsteht, dass dort Leute an einer wichtigen Stelle sitzen, die sich um die Lösung solcher Probleme bemühen. Als einzelner ist das ohne Boykott nur schwierig und nach sämtlichen Datenskandalen hält der Aufschrei ohnehin nur für kurze Zeit an. Bis zum nächsten.

Quellen
  1. Vgl. Berners-Lee, Tim, World Wide Web Foundation: »Three challenges for the web, according to its inventor«, Stand: 12.3.2017, URL: https://webfoundation.org/2017/03/web-turns-28-letter/, Absatz 1, abgerufen am 28.4.2017.
  2. Vgl. Ebd., Absatz 3.
  3. Vgl. Ebd.
  4. Vgl. Ebd., Absatz 4.
  5. Vgl. Ebd., Absatz 3.
  6. Vgl. Ebd., Absatz 5.
  7. Vgl. Ebd., Absatz 6.

Die Master-Arbeit: Fokussierung

Zu Beginn meines Master-Studiums habe ich mich unter anderem mit der Frage auseinandergesetzt, inwiefern sich das Web auf gestalterischer und kultureller Ebene verändert hat. Nachdem ich nun lange Zeit breit recherchiert und mich auch mit völlig anderen Bereichen auseinandergesetzt habe, möchte ich mich nun wieder fokussieren und mein Thema eingrenzen.

Zu Beginn meines Master-Studiums habe ich mich unter anderem mit der Frage auseinandergesetzt, inwiefern sich das Web auf gestalterischer und kultureller Ebene verändert hat. Nachdem ich nun lange Zeit breit recherchiert und mich auch mit völlig anderen Bereichen auseinandergesetzt habe, möchte ich mich nun wieder fokussieren und mein Thema eingrenzen.

Vor kurzem habe ich begonnen mich inhaltlich und grafisch näher mit der Entwicklung des Webs von Beginn an auseinanderzusetzen (Evolution der Webästhetik »). Diesen Weg möchte ich weitergehen und einen visuellen Weg finden, meine Ergebnisse zu präsentieren. Dabei kann ich mir zum einen eine Ausstellung, zum anderen eine interaktive Ausstellung oder Weberzählung vorstellen.

Ein erster praktischer Ansatz ist die Sammlung diverser UI-Elemente, welche ich katalogisiert darstellen möchte. Ich stelle mir vor, dass so die Entwicklung visuell greifbarer wird. Zudem habe ich bereits erste Gestaltungsmuster erkannt, welche den kulturellen Weg sowie das veränderte, allgemeine Verständnis des Webs deutlich zeigen. Weitere Gedanken und Ideen – sowohl in Bezug auf Theorie als auch Praxis – möchte ich noch reifen lassen und für mich selbst prüfen.

Im Galopp zur nächsten Information

Auf Basis der »Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace« möchte ich einen weiteren Einblick über John Perry Barlow erhalten. Dabei bin ich auf den Podcast TWiT.tv von Leo Laporte aus dem Jahr 2010 gestoßen. Gemeinsam mit Tom Merritt spricht er in »TWiT Live Specials 43: Live With John Perry Barlow« mit dem Bürgerrechtler und Songtexter John Perry Barlow über die »Electronic Frontier Foundation«, die Freiheit im Internet sowie die Unabhängigkeitserklärung selbst. Leider wird letzteres eher angeschnitten als wirklich besprochen, so dass ich aus dem Podcast keinen wirklichen Benefit für meine Arbeit ziehen kann. Nichtsdestotrotz äußert Barlow interessante Gedanken, welche ich kurz dokumentieren möchte.

Nach der Behandlung der »Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace« möchte ich einen weiteren Einblick über John Perry Barlow erhalten. Dabei bin ich auf den Podcast TWiT.tv von Leo Laporte aus dem Jahr 2010 gestoßen. Gemeinsam mit Tom Merritt spricht er in »TWiT Live Specials 43: Live With John Perry Barlow« mit dem Bürgerrechtler und Songtexter John Perry Barlow über die Electronic Frontier Foundation, die Freiheit im Internet sowie die Unabhängigkeitserklärung selbst. Leider wird letzteres eher angeschnitten als wirklich besprochen, so dass ich aus dem Podcast keinen wirklichen Benefit für meine Arbeit ziehen kann. Nichtsdestotrotz äußert Barlow interessante Gedanken, welche ich kurz dokumentieren möchte.

In Bezug auf die Unabhängigkeitserklärung und Regierung verfestigt er seine Meinung, dass man zu einem großen Schöpfer der Umgebung wird, in der man selbst geformt wird. Seinem Empfinden nach, sind die meisten innerhalb der Regierung unter anderen Umständen geformt worden als die Leute, die die meiste Zeit virtuell verbringen.1

Weiter merkt er an, dass es durch z. B. Wikipedia möglich geworden ist, dass man für die meisten Dinge, für die es eine Wahrheit gibt, auch eine Wahrheit kennen kann. Nach ihm ist die Voraussetzung, wie wir Wahrheit und Realität verstehen, Dinge einer maximalen Wahrnehmung auszusetzen und dann einen gemeinsamen Konsens zu finden. Speziell bei Wikipedia muss er daher keinen Zweifel daran haben, dass eine Antwort nicht stimmt. Was er nicht berücksichtigt hatte ist, dass viele Leute die Wahrheit nicht kennen wollen oder sogar glücklich sind vorsätzlich falsche Informationen zu streuen, weil es ihnen hilft.2
Zudem ist er überzeugt davon, dass wir besser darin werden, schlechte und gute Informationen unterscheiden zu können. Momentan (2010) sieht er uns noch als kulturelles Äquivalent eines 13 1/2-jährigen.3

Twitter hält er nicht für ein nützliches, revolutionäres Tool, da eine Revolution eine Ausdauer von Absichten, Verbindungen und konzeptioneller Integrität benötigt. Das setzt voraus, dass man eine große Aufmerksamkeitsspanne hat, welche es in Twitter so nicht gibt.4 Das Internet spielte laut ihm dennoch eine fundamentale Rolle dabei, dass Obama gewählt wurde. Seine Administration hätte es aber nicht auf eine nützliche Art und Weise genutzt, weil noch keiner weiß, wie das geht. Wir wären noch am Beginn und müssen das alles noch herausfinden.5 Aus heutiger Sicht kann man sich spätestens seit der Wahl Trumps sicher sein, dass hier schon einiges hinzugelernt wurde.

Dennoch glaubt er an eine Umgebung, in der jeder etwas sagen möchte, auch etwas sagen kann. Und jeder, der zuhören möchte, auch zuhören kann. Darin hat sich seine Vision vom Internet in den letzten 25 Jahren nicht geändert und die Leute können selbst aussortieren, was sie hören wollen und was nicht.6

Gegen Ende des Gesprächs erzählt Barlow von seiner Mutter, welche damit startete, dass die schnellste Möglichkeit an Informationen zu kommen die war, ein Pferd im Galopp zu reiten. Es endete damit, dass sie die ganze Zeit E-Mails schrieb. Daran kann man die tiefgreifende Transformation in der Informationstechnologie erkennen und wenn sie nun Geschichten erzählte, war die Technologie unsichtbar. Da es um das Gespräch ging und nicht um das Telefon.7

Abschließend ist es schade, dass kaum weitere Gedanken im Bezug auf die Unabhängigkeitserklärung zu hören waren. Nichtsdestoweniger war es ein spannender Podcast, da ich Barlow zum ersten Mal sprechen sehen habe und es großartig ist, was für weise Aussagen er mit seiner jahrelangen Erfahrung und dem vielen Wissen über das Web trifft.

Quellen
  1. Vgl. Barlow, John Perry, TWiT Netcast Network: »TWiT Live Specials 43: Live With John Perry Barlow«, Stand: 21.10.2010, URL: https://www.youtube.com/watch?v=c2U-6tHE3Wg, TC: 00:05:40–00:06:06, abgerufen am 17.4.2017.
  2. Vgl. Ebd., TC: 00:07:55–00:09:00.
  3. Vgl. Ebd., TC: 00:13:05–00:13:22.
  4. Vgl. Ebd., TC: 00:14:18–00:14:50.
  5. Vgl. Ebd., TC: 00:18:22–00:18:40.
  6. Vgl. Ebd., TC: 00:41:30–00:41:55.
  7. Vgl. Ebd., TC: 00:42:40–00:43:20.

Cyberspace als neue Heimat des Geistes

Am 8.2.1996 veröffentlicht John Perry Barlow die »Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace« (A Declaration of the Independence of Cyberspace) als Reaktion auf den »Telecomunications Act of 1996« in den USA. Seine ideelle Vorstellung stellt noch heute eine utopische Welt dar, welche nichtsdestotrotz wünschenswert wäre.

Am 8.2.1996 veröffentlicht John Perry Barlow die »Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace« (A Declaration of the Independence of Cyberspace ») als Reaktion auf den »Telecomunications Act of 1996« in den USA.

Unabhängig davon, dass dieses Gesetz in seinen Inhalten massiv kritisiert wurde, geht es Barlow meinem Verständnis nach generell um die Nichteinmischung des Staats in den »Cyberspace«. Diese Nichteinmischung bzw. unrechtmäßige Kontrolle spielte in meinem Beitrag »Die Verformung der Gesellschaft« eine Rolle, weshalb die Unabhängigkeitserklärung interessant für meine inhaltliche Recherche ist.

Cyberspace als neue Heimat des Geistes

In seiner Erklärung richtet er sich gezielt an die Regierungen der industriellen Welt und grenzt sich gleichzeitig von ihnen ab. Er kommt aus dem Cyberspace, der neuen Heimat des Geistes.1 Er betont, dass es dort keine gewählte Regierung gibt und fordert, dass der globale soziale Raum frei bleiben muss. Die Regierung habe nicht das moralische Recht, die Menschen in diesem Raum zu beherrschen.2

Regierung unerwünscht

Weiter klärt er, dass die Regierung weder »uns« noch »unsere« Welt im Cyberspace kennt und dieser nicht innerhalb ihrer Grenzen liegt.3 Diesen Punkt halte ich für sehr wichtig, da ich es für sehr fragwürdig halte, einen Bereich kontrollieren und beherrschen zu wollen, den man nicht kennt und dessen Beschaffenheit sich grundsätzlich von der bekannten Welt unterscheidet.4 Doch, auch wenn das Web im Jahr 1996 vielen fremd war und auch noch heute in seiner kompletten Daseinsform undurchsichtig und unüberschaubar ist, verstehe ich das grundsätzliche Interesse der Regierung keinen rechtsfreien Raum entstehen zu lassen. Vor allem heutzutage, wenn sich die Welt im Web mit der außerhalb verbindet und zu einer Welt verschmilzt.
Hier spricht mich der Ansatz Barlows an, dass es sich grundsätzlich nicht um einen rechtsfreien Bereich handeln soll. Doch die Frage wie sich das World Wide Web in seinen Regeln und Gesetzen selbst und durch die Menschen in ihm regulieren soll, halte ich für sehr schwierig. Immerhin ist das Problem bis heute nicht gänzlich gelöst.

Barlow stellt klar, dass es sich beim Web nicht um ein öffentliches Bauprojekt handelt, sondern dass es durch kollektives Handeln wächst.5
Diese »autonom« entstandene Welt, ist nur durch Aktivitäten der Cyberspace-Bewohner gewachsen.
Die Regierung hat »weder an großartigen und sich häufenden Gesprächen teilgenommen, noch den Reichtum der Marktplätze im Web aufgebaut. Sie kennt weder die Kultur, Ethik oder ungeschriebene Codes, die diese Gesellschaft bereits ordnet«6.
Er wirft der Regierung vor, dass sie dem Cyberspace nicht vorhandene Probleme nachsagt, um legitimiert handeln zu können. Aus seiner Sicht gibt es viele Probleme jedoch nicht und er weist erneut darauf hin, dass sie selbst richten werden und ein eigener Gesellschaftsvertrag entstehen wird.7

Die Gedanken sind frei

Er beschreibt den Cyberspace als Raum, der aus »Transaktionen, Beziehungen und Gedanken besteht, die wie eine stehende Welle im Netz unserer Kommunikation angeordnet sind«8. Er solle von jedem betreten werden können, »ohne Privilegien oder Vorurteile durch Rasse, wirtschaftliche Macht, militärische Stärke oder Geburtsort«9. Es soll ein Raum entstehen, in dem jeder seine »Überzeugungen ausdrücken kann, ohne Angst davor zu haben, in Schweigen oder Konformität gezwungen zu werden«10.
Diese beiden Absätze finde ich in zweierlei Hinsicht fragwürdig und schwierig. Der Geburtsort ist sehr wohl ausschlaggebend, da das World Wide Web bis heute noch nicht flächendeckend verbreitet ist. Die nötige Infrastruktur fehlt vielerorts, so dass die dort lebenden Menschen nicht an dieser offenen Welt teilnehmen können.
Zum anderen wird der Teil der Gesellschaft, der offenen Zugang besitzt, sehr wohl in eine Konformität gedrängt. Soziale Netzwerke waren zu Zeiten Barlows noch nicht in der heutigen Form vorhanden, doch im Grundgedanken sicher schon als Vorstellung präsent. Auch damals gab es schon Newsgruppen, in denen ein Austausch möglich war.
Zwar kann die eigene Meinung aus technischer Sicht veröffentlicht werden. Aus sozialer Sicht besteht jedoch der Druck gesellschaftstaugliches zu äußern und seine persönliche Selbstvermarktung voranzutreiben. Auf der Suche nach Likes wird eventuell nur das gepostet, was die meisten Daumen verspricht und alles fragwürdige besser nicht geschrieben. Extreme Meinungen werden in kleinen und großen Shitstorms abgestraft. Das kann natürlich nicht pauschal behauptet werden, mein Eindruck ist aber, dass weitestgehend sehr gut überlegt wird, was geschrieben und welches Bild gepostet wird. Auch ohne World Wide Web wird man nicht überall und jedem seine Meinung aufdrücken, doch durch den vergrößerten Rezipientenradius im Web, können eigene Aussagen sehr weitreichende Auswirkungen haben. Luciano Floridi (Erkenntnisse und Eindrücke: Luciano Floridis Buch »Die 4. Revolution« ») geht noch einen Schritt weiter und spricht davon, dass unser soziales Selbst durch Soziale Medien geformt wird und unsere Identität beeinflusst.

Bit – Bit – Bit

John Perry Barlow hebt in seiner Erklärung weiter hervor, dass die rechtlichen Begriffe für Eigentum, Ausdruck, Identität, Bewegung und Kontext nicht für den Cyberspace gelten, da sie auf Materie basieren.11 Auch die Identität hat keinen Körper, weshalb keine physische Ordnung möglich ist. Die Ordnung, die bestenfalls im World Wide Web entsteht, basiert auf der Goldenen Regel.12
Er wirft der Regierung vor mit dem »Telecommunications Reform Act« die eigene Verfassung zurückzuweisen und die Träume von Jefferson, Washington und Co. zu beleidigen.13 Die Regierung hätte Angst vor den eigenen Kindern, die als Ureinwohner in dieser Welt leben, in denen sie selbst immer Einwanderer bleiben werden. In dieser Welt ist alles gleichgeschaltet: Empfindungen, Ausdrucksformen, alles ist ein nahtloses Ganzes, das aus der globalen Konversation von Bits besteht. Metaphorisch drückt er so aus, dass sie die Luft, die sie erstickt nicht von der Luft trennen können, auf der dessen Flügel schlagen.14 Er hält einigen Ländern, darunter Deutschland, Frankreich und die USA, vor, den Virus der Freiheit bekämpfen zu wollen, ist sich aber sicher, dass das in einer Welt voller Bits nicht funktionieren wird.15

Unerschöpflicher Rohstoff

Für einen sehr wichtigen Punkt halte ich, dass er sich dagegen erhebt, dass Ideen gleichermaßen wie andere Industrieprodukte wie z. B. Roheisen gehandelt werden. Aus seiner Sicht könne im Cyberspace all das, was der menschliche Geist erschaffen hat, kostenlos und unbegrenzt reproduziert und ohne Kosten verteilt werden. Dafür würde es keine Fabriken mehr benötigen.16
Das halte ich dahingehend für sehr wichtig, dass heutzutage auf Basis einer guten Idee ganze Leben verändert werden können. Zwar waren auch schon vor dem World Wide Web Erfindertum und Ideenreichtum ungemein wichtig. Doch heute hat jeder mit Zugang zum Web die Möglichkeit, seine Ideen weit zu verbreiten. Im Gegensatz zu herkömmlichen Rohstoffen ist der Geist zudem unerschöpflich.

Diese Unerschöpflichkeit und Grenzenlosigkeit sieht Barlow im Cyberspace. Unabhängig davon, dass die materiellen Körper regiert werden, möchte er die Souveränität des Geistes aufrechterhalten. Der Geist, der sich frei macht von der physischen Welt und sich über den ganzen Planeten verbreitet, so dass die Gedanken nicht eingefangen werden können.17 Er wünscht sich einen Raum, welcher humaner und fairer ist, als die Welt, welche die Regierungen vorher geschaffen haben.18

Grenzenlose Utopie

Die »Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace« halte ich für einen sehr wichtigen Abschnitt innerhalb meiner Recherche. Sie zeigt sehr deutlich, welche Euphorie über das World Wide Web im Jahr 1996 vorherrschte und wie groß der Wunsch danach war, eine geistige Plattform zu haben, welche alle physischen Grenzen durchbricht. Ein Raum, der sich unaufhaltsam verbreitet und jedem die Möglichkeit geben soll, sich frei zu entfalten. Ein neues Medium, in dem bestenfalls alle Menschen gleichgeschaltet und verbunden sind. Frei von staatlicher Kontrolle als ideelles Paralleluniversum.
Aus heutiger Sicht treffen die Vorstellungen nur zum Teil zu und schränken sich wiederum durch technische Möglichkeiten ein. Zwar ist es technisch möglich Ideen zu verbreiten, gleichzeitig gibt es Mittel, Inhalte zu zensieren. Das fängt bei großen Staaten an, die komplette Plattformen wie Facebook sperren und geht im kleinen weiter, wenn einzelne Inhalte blockiert werden. Noch immer findet man bei Staaten, die die Kontrolle nach wie vor übernehmen wollen, unzählige Fragezeichen in Bezug auf diverse Themen. Selbst in Deutschland, wo man grundsätzlich sehr liberal lebt, stellt sich nach Hass-Tiraden im Netz die Frage nach Meinungsfreiheit und Zensur.

Noch immer hängt das World Wide Web zu sehr an nationalen Grenzen, welche den tatsächlichen geistigen Fluss aufhalten. Meiner Empfindung nach entsteht genau hier das Hauptproblem: Während das World Wide Web sämtliche Schranken durchbricht, sind die nationalen Grenzen nach wie vor in Stein gemeißelt. Unabhängig davon, ob es nun um Steuern oder geltende AGBs geht – die Zuständigkeiten sind unklar, die Grauzonen werden genutzt und Angebote werden in den Markt gespült, um anschließend zäh und langwierig bekämpft zu werden. Daher ist meine Theorie, dass solche Probleme erst bekämpft werden können, wenn das World Wide Web sein Pendant in der realen Welt findet: Ein grenzenloser Planet mit Gesetzen, die überall gleichermaßen gelten – mit Menschen, deren Meinung überall gleichermaßen akzeptiert wird. Eine Welt außerhalb des Cyperspace, die der ideellen Vorstellung von John Perry Barlow gleichkommen mag. Eine grenzenlose Utopie über dessen Kontrolle dann noch immer gestritten werden würde.

Quellen
  1. Vgl. Barlow, John Perry: »A Declaration of the Independence of Cyberspace«, Stand: 8.2.1996, URL: https://www.eff.org/cyberspace-independence, Absatz 1, abgerufen am 13.4.2017.
  2. Vgl. Ebd., Absatz 2.
  3. Vgl. Ebd., Absatz 3.
  4. Vgl. Ebd.
  5. Vgl. Ebd.
  6. Ebd., Absatz 4.
  7. Vgl. Ebd., Absatz 5.
  8. Ebd., Absatz 6.
  9. Ebd., Absatz 7.
  10. Ebd., Absatz 8.
  11. Vgl. Ebd., Absatz 9.
  12. Vgl. Ebd., Absatz 10.
  13. Vgl. Ebd., Absatz 11.
  14. Vgl. Ebd., Absatz 12.
  15. Vgl. Ebd., Absatz 13.
  16. Vgl. Ebd., Absatz 14.
  17. Vgl. Ebd., Absatz 15.
  18. Vgl. Ebd., Absatz 16.
Abbildungen
  1. Titelbild: ESO/IDA/Danish 1.5 m/Gendler, R.; Ovaldsen, J-E.; Thöne, C.; Feron, C.: »Carina Nebula«, Stand: 3.12.2009, via Wikimedia Commons, abgerufen am 13.4.2017, Lizenz: CC BY-SA 4.0.

Digitale Magna Carta

Durch meine bisherige Recherche bin ich auf den Artikel »An online Magna Carta: Berners-Lee calls for bill of rights for web« im The Guardian aufmerksam geworden.
Eine Online Magna Carta hält Tim Berners-Lees für notwendig, um die Unabhängigkeit des Mediums sowie der Nutzer weltweit zu schützen und zu verfestigen. Die digitale Verfassung könnte dabei von den Menschen selbst erarbeitet werden.

Durch meine bisherige Recherche bin ich auf den Artikel »An online Magna Carta: Berners-Lee calls for bill of rights for web« im The Guardian aufmerksam geworden.
Eine digitale Verfassung hält Tim Berners-Lees für notwendig, um die Unabhängigkeit des Mediums sowie der Nutzer weltweit zu schützen und zu verfestigen.1 Die digitale Verfassung könnte dabei von den Menschen selbst erarbeitet werden.2

Im begleitenden Video, weist er nachdrücklich darauf hin, dass wir nun nach 25 Jahren World Wide Web über das nächste viertel Jahrhundert nachdenken müssen. Dafür müssen wir unter anderem dafür Sorgen, dass sich die Grundsätze auf dem das Web basiert, etablieren. Darunter fallen Themen wie das Web als offenes Medium oder die Privatsphäre. Für die Demokratie ist außerdem die Frage wichtig, wie man seine Stimme erheben und seine Werte vor der Regierung vertreten kann, wenn man keinen Internetzugang hat.3

Berners-Lee ist weiter der Auffassung, dass wir keine offene Regierung, keine gute Demokratie, kein gutes Gesundheitssystem, keine vernetzten Gemeinschaften und keine kulturelle Vielfalt haben können, bevor wir kein offenes Web besitzen, bei dem wir uns keine Sorgen mehr darüber machen müssen, was an der Hintertür passiert.4 Anwälte und Politiker müssten das Programmieren verstehen, um tatsächlich zu verstehen, was mit Computern alles gemacht werden kann.5

Zudem ist er überzeugt davon, dass der Vorschlag für die Web-Verfassung auch die Auswirkungen von Urheberrechtsgesetzen und kulturell-gesellschaftlichen Themen rund um die Ethik der Technologie untersuchen sollte.6

In meinem Beitrag »Die Verformung der Gesellschaft« habe ich mich schon ansatzweise mit der Problematik auseinandergesetzt, dass das grenzenlose Web den nationalen Grenzen und Gesetzen gegenübersteht. Eine globale Verfassung könnte das Problem lösen. Bisher konnte ich mir jedoch nicht vorstellen, wie diese utopische Vorstellung aussehen könnte.
Laut Berners-Lee sei das wichtigste, dass die Leute für das Web kämpfen und begreifen, was für einen Schaden es hätte, wenn das Web zerstückelt werden würde. Nationale Gesetze bräuchten wir zwar nach wie vor, jedoch dürfen wir das Netz nicht in nationale Silos zerteilen.7
Dieser Ansatz hilft mir dabei, eine Vorstellung davon zu bekommen, wie das Problem lösbar wäre. Ich kann mir eine digitale Verfassung vorstellen, die ähnlich wie das Web selbst, als breites Netz über den nach wie vor vorherrschenden nationalen Gesetzen liegt.

Über eine weitere Suche, hab ich bereits erste Ergebnisse gefunden. Anlässlich zum 800. Geburtstag der Magna Carta, haben junge Menschen im Jahr 2015 bereits gemeinsam eine digitale Magna Carta erarbeitet. Die Öffentlichkeit konnte über die Regeln abstimmen, welche ich in einem weiteren Beitrag bearbeiten werde.

Quellen
  1. Vgl. Kiss, Jemima: »An online Magna Carta: Berners-Lee calls for bill of rights for web«, Stand: 12.3.2014, URL: https://www.theguardian.com/technology/2014/mar/12/online-magna-carta-berners-lee-web, Absatz 3, abgerufen am 27.3.2017.
  2. Vgl. Ebd., Absatz 4.
  3. Vgl. Ebd., Begleitendes Video, TC: 00:0044–00:01:14.
  4. Vgl. Ebd., Absatz 5.
  5. Vgl. Ebd., Absatz 13.
  6. Vgl. Ebd., Absatz 9.
  7. Vgl. Ebd., Absatz 18.

Die Verformung der Gesellschaft

In einem weiteren Beitrag über das Buch »Weaving the Web: The Original Design and Ultimate Destiny of the World« von Tim Berners möchte ich mich mit der gesellschaftlichen Bedeutung des World Wide Webs befassen. Dabei geht es mir momentan nicht darum, einen Einblick in sämtliche Einzelheiten zu geben, sondern grobe Eckpfeiler für meine weitere Recherche zu definieren. Die Recherche bezieht sich dabei vor allem auf die Jahre zwischen den Anfängen und der geplatzten Dotcom-Blase im Jahr 2000.

In einem weiteren Beitrag über das Buch »Weaving the Web: The Original Design and Ultimate Destiny of the World« von Tim Berners-Lee möchte ich mich mit der gesellschaftlichen Bedeutung des World Wide Webs befassen. Dabei geht es mir momentan nicht darum, einen Einblick in sämtliche Einzelheiten zu geben, sondern grobe Eckpfeiler für meine weitere Recherche zu definieren. Die Recherche bezieht sich dabei vor allem auf die Jahre zwischen den Anfängen und der geplatzten Dotcom-Blase im Jahr 2000.

Die Veröffentlichung des WorldWideWeb

Das »WorldWideWeb«-Programm (Browser) wurde im März 1991 erstmals innerhalb CERNs veröffentlicht, wobei nur Personen mit NeXT Computern Zugang hatten.1 Ursprünglich war das Web nicht für den privaten Gebrauch oder für Einzelunternehmen entwickelt. Während es zunächst für ein besseres Informationsmanagement innerhalb CERNs nützlich sein sollte, machten später auch Universitäten, Forscher und große Unternehmen davon Gebrauch.2
Meinem Eindruck nach waren die Anfänge ein regelrechter Kampf darum, die Wichtigkeit des WWW zu vermitteln. Ob schriftliche Ausarbeitungen oder die Präsentation auf einer Konferenz namens Hypertext im Dezember 1991: Durchweg schien sich die Begeisterung in Grenzen zu halten. Zum einen vermute ich, dass das Verständnis für diese Art von Informationsraum noch nicht weit genug ausgeprägt war – auch heute würde es uns schwerfallen, uns auf dem Papier ein Medium vorzustellen, das die nächsten Jahrzehnte maßgeblich verändern und umkrempeln könnte. Vor allem, wenn noch weitere nicht ausgereifte Systeme miteinander konkurrieren. Zum anderen war die Nutzung noch immer sehr beschränkt. Erst im August 1991 veröffentlicht Berners-Lee das WorldWideWeb für NeXT, einen Line-Mode Browser sowie den elementaren Server außerhalb von CERN.3 Selbst die Nutzung dieser Angebote war längst nicht intuitiv und einfach.

Erschwerter Zugang

Das Web verbreitet sich begrenzt in der Hypertext Community, doch obwohl es durch einen Telnet-Zugang grundsätzlich für Millionen von Menschen zugänglich gewesen wäre, hapert es an – aus heutiger Sicht – kleinen Problemen: Es war einfacher sich ab Oktober 1991 über das Telnet-Protokoll in die Kommandozeile eines anderen Computers innerhalb CERNs einzuwählen, als selbst einen Browser zu installieren. Nur langsam verbreitet sich das Web weiter und wird von Menschen rund um den Globus wahrgenommen. Das wichtigste war laut Berners-Lee, dass die Menschen, die das Web sahen und die unbegrenzten Möglichkeiten verstanden, damit begannen Server aufzusetzen und Informationen zu publizieren. Netterweise bekam er zu Beginn noch Nachrichten, wenn ein neuer Server aufgesetzt wurde.4

Cleverness schlägt Vermögen

Eine dringende Notwendigkeit war die Entwicklung eines tauglichen, systemübergreifenden Browsers, der nicht nur das Lesen von Informationen, sondern auch das Editieren zulässt. Ansätze lieferten 1992 die Browser Erwise (April), ViolaWWW (Mai) oder später Samba (Dezember). Letztendlich war kein Browser wirklich vollkommen oder systemunabhängig. Das führte zum Problem, dass den Menschen das Werkzeug fehlte, um wirklich gut zusammenarbeiten zu können. Das Web wurde zunehmend zu einem Medium, welches das Publizieren eher zulässt als eine vernünftige Zusammenarbeit. Das ironische, was Berners-Lee darin sah, war die Tatsache, dass unzählige Intranets entstanden. Solche zusammenzuschließen war jedoch der ursprüngliche Antrieb, welches das Bedürfnis nach einem ganzheitlichen Netz überhaupt entstehen ließ.5 Erst mit der Erscheinung von Browsern, wurden in immer kürzeren Abständen neue Server aufgesetzt. Ein Server über Rom während der Renaissance beeindruckt den Begründer dabei besonders. In Form eines virtuellen Museums inspiriert es viele weitere Webseiten – auch solch’ beeindruckende Veröffentlichungen begünstigten den Aufstieg des Webs.6

Nachdem im Februar 1993 die erste Version des Browsers Mosaic verfügbar war, gründete der Mitentwickler Marc Andreessen zusammen mit Jim Clark Mosaic Communications Corp. (später Netscape).7 Zunächst wird im Oktober 1994 der Browser Mozilla veröffentlicht8 und am 15.12.1994 die kommerzielle Version, die zwischenzeitlich zu Navigator 1.0 umbenannt wurde.

Das Besondere an der Veröffentlichung: Netscape veröffentlicht den Browser frei verfügbar über das Internet anstatt ihn einzutüten und zu verschicken. Zudem sind zwei weitere Ansätze wichtig: Zum einen ist die Veröffentlichung einer Beta-Version – an der hunderte Nutzer unentgeltlich weiterarbeiten und Verbesserungsvorschläge senden können – bis dahin nicht alltäglich. Zum anderen ist das Vermarktungs-Modell neu, etwas frei im Web anzubieten und erst nachträglich, durch z. B. andere Produkte oder Werbung auf der Startseite, Geld zu verdienen. Innerhalb weniger Monate nutzten die meisten Menschen im Web diesen Browser.9 Damit schlägt er zunächst den Internet Explorer, der erst später im August 1995 zusammen mit Windows 95 veröffentlicht wurde.10

Das Web kommt im Privaten an

Immer mehr Menschen nutzen das World Wide Web und schon zu Beginn des Jahres 1994 zeichnete sich ab, dass es zunehmend wahrgenommen wird. Allein von März bis Dezember 1993 stiegen die Webverbindungen innerhalb des Internets von 0,1 auf 2,5 %.11 Auch die Zugriffe auf info.cern.ch verzehnfachten sich in den ersten Jahren. Waren es im Sommer 1991 noch 100 pro Tag, betrug die Zahl der Aufrufe schon 10.000 im Sommer 1993.12 Im Jahr 1994 übersteigt zudem die Zahl der kommerziellen Nutzer die der wissenschaftlichen Nutzer, bei einer gesamten Zahl von rund drei Millionen Internet-Rechnern.13

Umso wichtiger war es nun, das WWW so einfach wie möglich zugänglich zu machen. Tim O’Reilly entwickelte dabei das Produkt »Internet in a Box«, welches den privaten Nutzer dabei unterstützen sollte, zu Hause Zugang zu erhalten. Es wurde jedoch überflüssig, da nun viele Internet-Service-Provider mit auf den Zug sprangen und den Eintritt als Komplettpaket ermöglichten. Dass Software und Service nun kommerzialisiert angeboten wurden, war ein bedeutender Schritt, da viele Menschen kein Interesse an der Nutzung haben würden, wenn sie nicht sicher sein konnten, dass alles Nötige von einem Unternehmen inklusive Support angeboten wird.14

Scheitern nicht ausgeschlossen

Trotz der wachsenden Zahl der Nutzer gab es schon 1993 erste Anzeichen dafür, dass das Web sich in einzelne Fraktionen aufteilt: In kommerzielle und akademische, freie und kostenpflichtige. Das würde Tim Berners-Lee ursprünglichem Ansatz widersprechen, ein universell zugängliches Hypertext-Medium für den Informationsaustausch zu sein.15 Auch 1994 hätte das Web laut ihm noch immer verschwinden oder von einem anderen System ersetzt werden können, noch immer hätte es zersplittert oder sein Wesen so sehr verändern können, dass es nicht mehr als universelles Medium existiert.16 Ein wichtiger Schritt war hier, dass Tim Berners-Lee das Web nicht sich selbst überlassen und beispielsweise mit monetärem Vorteil jeden Job seiner Wahl angenommen hat. Sondern sich weiter für seine Vision eingesetzt hat. Das W3C zu gründen und aus ihm heraus – gänzlich konzentriert auf die Sache – zu agieren, war hier ein wichtiger Schritt.17 Das Web selbst füllte sich zunehmend mit den verschiedensten Menschen, Organisationen und Unternehmen und das Konsortium würde gleichermaßen gemischt aufgestellt sein. Es sollte das »Web des Lebens« aufrechterhalten.

Money, Money, Money!

Ein weiterer entscheidender Einschnitt war der Börsengang von Netscape im August 1995. Nach nur einem Tag an der Börse war das Unternehmen 4,4 Milliarden Dollar wert und Ende 1996 verzeichnete das Unternehmen Einnahmen von 346 Millionen Dollar. Auf einen Schlag war die Botschaft klar: Das Web ist ein bedeutender Markt geworden, auf dem sich viel Geld verdienen lässt.18

Häufig wurde Tim Berners-Lee mit der Frage konfrontiert, ob ihn das sauer machen würde, dass man nun für einige Web-Angebote Geld zahlen müsste. Für ihn war die Community, die für freie Software sorge zwar fundamental und er sieht sie als Basis der Kreativität. Doch gleichermaßen sah er die partielle Kommerzialisierung als wichtigen Meilenstein für den Erfolg des Webs, ohne die das ganze Konzept nicht aufgegangen wäre. Um ein universelles Medium zu werden, musste es jede Informationen und Verlinkung zulassen. Das bedeutet, dass man kommerzielle Angebote nicht einfach ausschließen durfte.19 Zudem sieht er die Universalität auf jeder Ebene, die auch in der realen Welt existiert. Es musste auf verschiedenen Wegen mit verschiedenen Gruppen verschiedener Größen an verschiedenen Orten des täglichen Lebens funktionieren. Ob zu Hause, im Büro, Schulen, Kirchen, Ländern, Kulturen, etc. Informationen müssten jede soziale Grenze durchbrechen können.20 Dementsprechend war auch die Sorge, dass der bislang von Akademikern als offen und frei verstandene Informationsraum, von Spam-Mails und Werbung überflutet wird zwar verständlich, aber unbegründet.21

Ein Brösel des Kuchens

Während im Jahr 1996 bereits die erste Botschaft des »großen Geldes« versandt wurde, wurden die meisten Dinge noch immer von purer Aufregung und Euphorie angetrieben. Erst 1998 wurde das Web zum Schauplatz des großen Geschäfts und rückte auch in das Interesse der Regierung. Es wuchs der Wunsch das Web zu kontrollieren und jeder mischte sich ein, wo er nur konnte. Gegen Microsoft lief ein Kartellverfahren, der Wert der Internetfirmen stieg und es gab den sogenannten »Kampf der Portale« von Mammut-Webseiten wie Yahoo!, Dienstleister wie AOL oder Anbietern von Inhalten wie Disney.22 Jeder wollte das größte Stück des Kuchens abhaben. Vor allem die steigenden Marktwerte, der starke Expansionsdrang von Unternehmen und überhöhte Gewinnerwartungen führten letztlich 2000 zum Zerplatzen der großen Internetblase. Erwartungen wurden nicht erfüllt, Unternehmen waren nicht profitabel genug oder gingen bereits in Insolvenz. Während viele Kleinanleger und überschaubare Unternehmen zu viel Verluste einstrichen, steckten Teile der »New Economy« diesen Absturz jedoch weg und erreichten ganz neue Aufmerksamkeit. Dazu gehören beispielsweise amazon, eBay oder Google.

Kampf der Moral

Während die Unternehmen, um ihren Platz im Web kämpften, stemmten sich verschiedenste Gruppen – sei es mit religiösen Hintergrund oder z. B. Elterninitiativen – gegen verwerfliche oder schädliche Inhalte im Web.23
Es gab zwar verschiedene Ansätze das Problem zu lösen, doch zum einen stellte sich die Frage nach der Legitimität von Zensur.24 Zum anderen hätte eine Filterung von beispielsweisen pornographischen Inhalten teilweise auch dazu geführt, dass ungewollt andere Inhalte wie z. B. Informationen über Sexualerziehung oder Brustkrebs verbannt worden wären. Ohnehin sind Betrug und Kinder-Pornographie auch im realen Leben strafbar25 – dementsprechend müssten Gesetze nach Handlungen beschrieben werden, nicht in Bezug auf eine einzelne Technologie.26

Verformte Gesellschaft

Natürlich musste sich das Konsortium durchaus über die Auswirkungen auf die Gesellschaft, welche durch das Web geformt wird, Gedanken machen.27 So schreibt Berners-Lee, dass wir alle sicherstellen müssen, dass die Gesellschaft, die wir mit dem Web aufbauen, die von uns beabsichtigte ist. Weiter, dass sie in vielen ethischen, rechtlichen und sozialen Fragen zurückbleiben kann, wenn sich die Technologie zu schnell entwickelt.28 Letztendlich war es aber Aufgabe der Technologie bzw. des Mediums, technische Mechanismen anzubieten und nicht sozialpolitisch zu agieren. Technologie muss losgelöst davon sein, die Welt beherrschen zu wollen.29 Das betrifft unter dem Strich viele weitere Bereiche wie z. B. die Meinungsfreiheit, Privatsphäre oder geistiges Eigentum.30

Um die Gesellschaft zu schützen, sollten wir zudem vorsichtig sein, Dinge zu tun, nur weil sie möglich sind. Die Tatsache, dass es sehr kostengünstig machbar wäre, über politische Fragen im Web abzustimmen, bedeutet nicht, dass wir zwingend von einer repräsentativen zur direkten Demokratie wechseln müssen.31

Ferner hält Berners-Lee es für wichtig, dass das Web Parallelität zulässt. Das menschliche Gehirn übertrifft den Computer in seiner Parallelverarbeitung und auch die Gesellschaft löst die Probleme parallel. Jeder sollte daher in der Lage sein, Arbeiten zu veröffentlichen und zu kontrollieren, wer Zugang zu dieser erhält. Es sollte dabei keine Struktur oder Beschränkungen geben, die irgendeine Form von Idee ausschließt.32
Weiter können viele soziale Prozesse besser maschinell durchgeführt werden: Die Computer sind stets verfügbar, ohne Vorurteile und ohnehin würde keiner diese Systeme verwalten wollen.33

Abschließend ist es aus heutiger Sicht keine Überraschung, dass die Gesellschaft massiv vom World Wide Web verformt wurde. Unternehmen und Nationen wurden zuvor durch geographische Grenzen gebildet und das Web hat uns aus dem zwei-dimensionalen Raum katapultiert.34 Entfernungen sind nichtig geworden und die gesellschaftlichen Probleme sind zum Teil sicher andere geworden.
Doch obwohl wir nun von fast drei Jahrzehnten World Wide Web sprechen, scheinen viele Probleme, die Tim Berners-Lee schon 1999 beschreibt, nach wie vor zu bestehen. Noch immer herrschen riesige Diskussion über Datenschutz und Privatsphäre, noch immer landen unzählige illegale Inhalte im World Wide Web und noch immer – oder durch die Masse gerade jetzt – ist es unmöglich Inhalte zu »kuratieren«. Die weiteren Fragen, die daraus entstehen sind die, wer überhaupt das Recht hätte Inhalte zu zensieren oder wie Rechte generell durchzusetzen sind. Nimmt man Facebook als bekanntes Beispiel, wird einem bewusst, wie schwierig die Lage zu sein scheint. Grundrechte wie das »Briefgeheimnis« werden völlig missachtet und in vielen weiteren Punkten handelt Facebook entgegen dem deutschen Gesetz. Zum einen ist es ein massives Problem, dass das Web international ist, während es nichtsdestotrotz geographische Grenzen mit Gesetzen für diesen begrenzten Raum gibt. Zum anderen ist fraglich, wie solche limitierten Gesetze durchsetzbar wären. Als extremste Form könnte Facebook in Deutschland nicht verfügbar sein bis sich die Plattform an die Gesetze hält und die Rechte der Bürger anerkennt. Doch der Aufschrei wäre groß und ein Argument wäre, dass man immerhin selbst entscheiden kann, ob man Rechte abtritt – was wir immerhin tagtäglich tun. Noch immer scheint es so, als könnte man die Probleme, die im World Wide Web auftauchen, nicht in den Griff kriegen. Zudem ist es aus meiner Sicht so gut wie ausgeschlossen sämtliche Straftaten zu verhindern und auszuschließen. Immerhin ist das Web nicht mehr nur ein Spiegel der Gesellschaft, sondern ein Werkzeug, das wir nicht nur nutzen, sondern durch dass sich unser komplettes Leben verändert hat. Ein Werkzeug, das längst nicht nur ein Medium ist, in das wir bewusst eintauchen, sondern ein täglicher Begleiter. Das uns ständig umgibt und dessen Grenzen zur »realen« Welt verschwinden. Ein großer Kosmos informationeller Entitäten, dessen gesamtes Dasein grundsätzlich überdacht werden müsste.

Auf dieser Basis entstand mein ursprünglicher Titel »Digitale Primaten«. Zwar gehören auch Menschen zu den Primaten, aber im allgemeinen Sprachgebrauch klingt Primaten etwas rückständig. Aus meiner Sicht hinken wir noch immer der Technologie hinterher und sollte sie sich weiter so schnell entwickeln – was ich vermute – wird der Abstand größer und größer. Daher gilt es, so schnell wie möglich Lösungen zu finden, um das Zusammenleben zwischen Mensch und Maschine anzunähern und mit so wenig Hürden wie möglich zu gestalten.

Quellen
  1. Vgl. Berners-Lee, Tim; Fischetti, Mark (Hg.): »Weaving the Web – The Original Design and Ultimate Destiny of the World Wide Web«, New York 2000, S. 4.
  2. Vgl. Ebd., S. 45.
  3. Vgl. Ebd., S. 46.
  4. Vgl. Ebd., S. 48.
  5. Vgl. Ebd., S. 56 f.
  6. Vgl. Ebd., S. 59.
  7. Vgl. Ebd., S. 82.
  8. Vgl. Ebd., S. 95.
  9. Vgl. Ebd., S. 99.
  10. Vgl. Ebd., S. 108.
  11. Vgl. Ebd., S. 80.
  12. Vgl. Ebd., S. 75.
  13. Vgl. »Chronologie des Internets« in: »Wikipedia, Die freie Enzyklopädie«, Stand: 3.3.2017, URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Chronologie_des_Internets&oldid=173334077, abgerufen am 9.3.2017.
  14. Vgl. Berners-Lee, Tim; Fischetti, Mark (Hg.): »Weaving the Web – The Original Design and Ultimate Destiny of the World Wide Web«, New York 2000, S. 80 f.
  15. Vgl. Ebd., S. 76.
  16. Vgl. Ebd., S. 83.
  17. Vgl. Ebd., S. 84 f.
  18. Vgl. Ebd., S. 106.
  19. Vgl. Ebd., S. 107.
  20. Vgl. Ebd., S. 164.
  21. Vgl. Ebd., S. 107.
  22. Vgl. Ebd., S. 124.
  23. Vgl. Ebd., S. 124.
  24. Vgl. Ebd., S. 113.
  25. Vgl. Ebd., S. 135 f.
  26. Vgl. Ebd., S. 131.
  27. Vgl. Ebd., S. 110.
  28. Vgl. Ebd., S. 123.
  29. Vgl. Ebd., S. 137.
  30. Vgl. Ebd., S. 124.
  31. Vgl. Ebd., S. 174.
  32. Vgl. Ebd., S. 203.
  33. Vgl. Ebd., S. 172.
  34. Vgl. Ebd., S. 200.
Abbildungen
  1. Titelbild: Foto von Geni: »Photo of the NeXTcube used as the first web server. The label reads ›This machine is a server. DO NOT POWER IT DOWN!!‹. On display at the science museum london.«, Stand: 13.1.2015, via Wikimedia Commons, abgerufen am 13.3.2017, Lizenz: CC BY-SA 4.0 oder GFDL.

Vision eines Visionärs

Zur Recherche über die Entwicklung des World Wide Webs dient mir »Weaving the Web – The Original Design and Ultimate Destiny of the World Wide Web« von Tim Berners-Lee, dem Begründer höchstpersönlich. Der Name Tim Berners-Lee ist fest mit dem World Wide Web verwoben, doch wie viel Anteil er tatsächlich an der Entwicklung dieses Mediums besitzt, wird mir erst jetzt bewusst. Er ist nicht der gewürdigte Mann, der am Ende einer langen Kette von Prozessen steht. Er ist der Mann, der mit einer großartigen und weltveränderten Vision am Anfang, in der Mitte und am Ende dieser Kette Platz nimmt.

Zur Recherche über die Entwicklung des World Wide Webs dient mir »Weaving the Web – The Original Design and Ultimate Destiny of the World Wide Web« von Tim Berners-Lee – dem Begründer höchstpersönlich. Der Name Tim Berners-Lee ist fest mit dem World Wide Web verwoben, doch wie viel Anteil er tatsächlich an der Entwicklung dieses Mediums besitzt, wird mir erst jetzt bewusst. Er ist nicht der gewürdigte Mann, der am Ende einer langen Kette von Prozessen steht. Er ist der Mann, der mit einer großartigen und weltveränderten Vision am Anfang, in der Mitte und am Ende dieser Kette Platz nimmt.
In seinem Idealbild eines universellen, »einzigen, globalen Informationsraums«1 ist alles potenziell mit allem verbunden.2 Er liebte die Vorstellung davon, dass »ein Stück Information wirklich nur dadurch definiert wird, womit und wie es verbunden ist«3. Aus seiner Sicht können dadurch völlig neue Relationen entstehen und Dinge zusammenkommen, die zuvor keine sichtbare Gemeinsamkeit hatten.4 Laut des Vorworts von Michael Dertouzos, dachte Tim Berners-Lee das Web als Medium, das in diesem gigantischen Informationsnetz menschliches Wissen und menschlichen Verstand kodifizieren würde.5

Generell begeistert ihn daran nicht nur die Idee, dass unzählige Informationen für jeden zugänglich sind, sondern auch, dass jeder daran teilhaben und sich selbst einbringen kann. Diese Begeisterung teilt er mit Ted Nelson, der schon zuvor von einer utopischen Gesellschaft geträumt hatte, in der alle Informationen von Leuten geteilt werden können, die sich auf Augenhöhe begegnen.6 Das Internet, das es längst vor dem World Wide Web gab, lässt zwar den Austausch von Daten zu. Für einen Laien sind die Hürden jedoch zu groß, um sich wirklich daran beteiligen zu können.7 Daher ist es für Berners-Lee eine Grundvorraussetzung, dass das Erstellen von Inhalten und Verlinkungen nicht nur machbar, sondern so einfach wie möglich ist. Zusätzlich setzt er voraus, dass das System komplett dezentralisiert aufgebaut sein muss, so dass ein Nutzer mit dem nötigen Equipment sofort und ohne Zugangserlaubnis »mitmachen« kann.8 Diese Dezentralisierung des Systems bedeutet für ihn zeitgleich, dass keine hierarchischen Strukturen vorherrschen dürfen und es niemanden gibt – weder eine Person noch eine Gruppe –, der das World Wide Web unter seine Kontrolle bringt.9

Ursprünglich dachte Berners-Lee an ein Web, dass das »reale«, nicht-virtuelle Leben widerspiegelt. Eine ungeahnte Folge ist die, dass Menschen durch das Web völlig neue Aktivitäten gefunden hatten. Sie fingen an zu schreiben oder zu malen, obwohl sie das zuvor nicht getan haben. Dadurch, dass sich das Web zum primären Raum für viele Aktivitäten etabliert hat, rät er dazu vorsichtig zu sein, um weiter eine gerechte und faire Gesellschaft zu ermöglichen.10

In seinem Buch zitiert der Begründer des Webs zudem eine Rede des südafrikanischen Vizepräsidenten, da er selbst seine Mission nicht besser in Worte fassen hätte können. Thabo Mbeki ruft dazu auf, die neue Technologie dafür zu nutzen sich selbst zu ermächtigen, sich über die Wahrheit der eigenen ökonomischen, politischen und kulturellen Situation zu informieren und sich selbst eine Stimme zu geben, die die ganze Welt hören kann.11

Diese Worte beschreiben wunderbar, wie dieses neue Medium als Werkzeug eines jeden genutzt werden kann. Zudem bin ich Tim Berners-Lee nicht einfach nur dankbar für ein Medium, das unser aller Leben bestimmt. Ich bin begeistert, wie er Schritt für Schritt das World Wide Web nach seiner Vorstellung gebaut hat. Ein Visionär, dessen damaliges finales »Werk« nicht nur das Endergebnis einer langen Evolution ist, sondern von Beginn an als Vision in seinem Kopf umherschwirrte.

Quellen
  1. Berners-Lee, Tim; Fischetti, Mark (Hg.): »Weaving the Web – The Original Design and Ultimate Destiny of the World Wide Web«, New York 2000, S. 4.
  2. Vgl. Ebd., S. 1.
  3. Ebd., S. 13.
  4. Vgl. Ebd., S. 37.
  5. Vgl. Ebd., S. VIII.
  6. Vgl. Ebd., S. 5.
  7. Vgl. Ebd., S. 18.
  8. Vgl. Ebd., S. 16.
  9. Vgl. Ebd., S. 80.
  10. Vgl. Ebd., S. 165.
  11. Vgl. Ebd., S. 102.

Präsentation IV

In meiner Präsentation stelle ich nicht nur das 2. Semester vor, sondern gebe auch einen oberflächlichen Überblick des 1. Semesters. In diesem Beitrag verweise ich auf die einzelnen Themen und Projekte.

In meiner Präsentation stelle ich nicht nur das 2. Semester vor, sondern gebe auch einen oberflächlichen Überblick des 1. Semesters. In diesem Beitrag verweise ich auf die einzelnen Themen und Projekte. Bei Bezugnahme auf Autoren mache ich hier keine Quellenangaben. Die Quellen sind im jeweiligen Beitrag angegeben.

Analyse grafischer Veränderungen

Im 1. Semester hatte ich im Großen und Ganzen zwei Schwerpunkte. Zum einen die Analyse der grafischen Veränderungen von Webseiten seit den 90er Jahren. Basierend auf Screenshots habe ich dabei die verändernden Text-Bild-Verhältnisse, sowie Interaktionen untersucht.
Das ist dahingehend sehr spannend, dass sich das Web und die Gestaltung durch neue technologische Möglichkeiten verändert haben, aber auch durch die Gesellschaft bzw. durch deren Nutzung und Ansprüchen stark beeinflusst wurden.
Web-Analyse: google.de seit 2001 »

Veränderte Internetnutzung

Mit der Nutzung des Internets beschäftigen sich auch die ARD-ZDF-Onlinestudien, mit denen ich mich auseinandergesetzt habe. Die Umfragen gibt es seit ca. 15 Jahren.
Nutzung von Bewegtbild (ARD/ZDF-Onlinestudie) »
Die Nutzung des Internets unterwegs (ARD/ZDF-Onlinestudie) »

Die Studien sind wiederum wichtig für meinen 2. Schwerpunkt, in dem es um Erzählformen geht bzw. um die Fragestellungen, welche neuen Erzählformen durch neue Medien entstehen können.

Netzkunst

Eine Erzählform, die oft nicht als solche wahrgenommen wird, ich aber sehr spannend finde, ist die Netzkunst. Aus meiner Sicht besitzt sie eine spezielle Ästhetik und arbeitet sehr mit dem Medium selbst. Es wird nicht einfach als zu füllender Platz missbraucht, sondern das Medium und die Technik selbst werden zum Teil der Erzählung gemacht. So z. B. die Frames bei Olia Lialinas »My boyfriend came back from war!«
Olia Lialinas »My boyfriend came back from the war!« »

Zusätzlich finde ich Künstler spannend, die im Netz mit dem Netz arbeiten wie z. B. Addie Wagenknecht. Sie hat generell kritische Arbeiten und eine Arbeit ist beispielsweise ein Diskurs zwischen webbasierten Erfahrungen (lolcatz, memes, gifs) und historisch geschlossenen Systemen, welche die physische Welt regieren. Das Internet ist nach ihr demokratischer Natur, aber kein demokratisches Medium. Sie stellt zudem fest, dass wir mehr auf die Bildschirme als aus unseren Fenstern schauen.
Von Dildodrohnen und lolzcat »

Trans- und crossmediale Erzählungen

Des Weiteren habe ich mich mit trans- und crossmedialen Erzählungen beschäftigt. Darunter auch »about:kate«, welche mit user-generated content und 2nd-Screen-Anwendungen gearbeitet hat.
About:Kate – »Wann haben Sie bemerkt, dass Sie nicht mehr wissen, wer Sie sind?« »

Film und Game

Mit »Fort McMoney« habe ich mich im Bereich Dokumentarspiel auseinandergesetzt. Es enthält viele Cut scenes, spielerisch erlangt man hier neues Wissen. Generell ist Gamification ein wichtiges Thema, denn das Spiel wird als neues Leitmedium angesehen.
Als Erzählform finde ich es an sich spannend, jedoch hat nicht jeder Interesse sich mühevoll durch einen Film oder das Spiel zu spielen.
Das Doku-Game »Fort MyMoney« von David Dufrense »

In Bezug auf die Kombination Film-Game habe ich eine Ausstellung im Filmmuseum Frankfurt besucht: »Film und Games. Ein Wechselspiel«, die genau diesen Aspekt beleuchtet. Schon Ende der 80er beeinflussen sich Game und Film gegenseitig, heutzutage verschmelzen die Medien noch mehr.
»Film und Games. Ein Wechselspiel.« im Filmmuseum Frankfurt

Neben dieser temporären Ausstellung im Filmmuseum, halte ich die allgemeine für sehr interessant. Vor allem mit Blick auf Geräte zur Wiedergabe von Bildern oder für die Erzeugung von Bewegtbildern. Teilweise erinnern sie an heutige Geräte. Generell hatte ich mich bereits mit Augmented und Virtual Reality beschäftigt. Hier hatte ich die Überlegung, ob nicht sogar eine Transformation aus dem Digitalen ins Analoge zu schaffen ist.
Mechanische GIF: Das Giphoscope »

Natürliche Art der Erzählung

Am Ende des 1. Semesters war meine Erkenntnis, dass sich alles Richtung »natürliche Art der Erzählung« entwickelt. Ähnlich wie vor der Schrift als alles noch dynamischer war. Dazu habe ich Parameter aufgestellt, welche solche Erzählungen erfüllen müssten:
Rückbesinnung auf eine natürliche Art der Erzählung »

Projekte: Eye-Tracking-Demo und Giphy-Experiment

In Bezug auf transparente Schnittstellen, entwickelte ich mit zwei Medientechnikern in einer sehr kurzen Zeit eine Eye-Tracking-Demo. Der einzige Anspruch war zu zeigen, was möglich ist. Das Thema »Mystery« war dabei nicht unbedingt meins, jedoch fand ich es spannend, an so einem Projekt mitzuarbeiten. Die großen Fragen waren, was geht und was nicht, was ist grafisch umsetzbar und wo sind die Grenzen.
Das verlassene Haus »

Des Weiteren habe ich mein Giphy-Experiment vorgestellt:
Erstes Experiment mit der giphy-Bibliothek »

Eine weitere Projektidee ist eine Erzählung zu entwickeln, die automatisch bebildert wird. Das widerspricht Byung Chul Hans These, dass Wissen narrativ und Informationen additiv sind. Von daher ist es aus meiner Sicht grundsätzlich nicht möglich, Narrationen automatisiert aus Daten zu generieren. Jedoch ist meine Überlegung die, eine Narration mit genauem Rahmen und exakten Parametern für Daten zu schaffen, um sich einer automatisch bebilderten Erzählung anzunähern.

Eine weitere Idee, die aus dem Giphy-Experiment entstanden ist, ist eine personalisierte Bildsprache zu entwickeln. Dabei müsste der große Datenpool auf dem eigenen Rechner genau getaggt und beschrieben oder zukünftig per Bilderkennung analysiert werden. Die eigene Sprache wird bei dieser Idee in Bilder übersetzt.

Loop-Erzählungen

Eine Loop-Erzählung mithilfe von giphy z. B. als Rauminstallation zu erarbeiten wäre ein weiterer Ansatz.
Dieser Ansatz ist meiner These aus dem 1. Semester, nämlich dass wir durch die Schrift sequentiell denken, sehr nahe. Wir sind als Europäer im Gegensatz zu orientalischen Ländern sehr linkshemisphärisch geprägt. Insgesamt denken wir sehr in Kausalitäten und alles hat einen zeitlichen Aufbau. McLuhan spricht davon, dass wir zunehmend in einer Welt der Gleichzeitigkeit leben und die Zeit aufgehört hat und der Raum verschwunden ist. Durch Loop-Erzählung wäre die Positionierung aufgelöst – es gäbe keinen klaren Zeitpunkt. Die Geschichte würde sich nach und nach – non-linear – erschließen.
Das globale Dorf – Raum, Zeit und Dynamik
Von Loops und der Hyper-Realität »

Interface und Interaction Design

Momentan sind all diese Ansätze auf Eis gelegt, um mich neu zu orientieren. Insgesamt finde ich nämlich sowohl das Web an sich als auch Medieninstallationen sehr spannend. Es wäre auch eine Kombination beider Medien denkbar.

Daher habe ich mich zunächst wieder darauf konzentriert, Beispiele für Weberzählungen zu finden.
Für das schönste Beispiel halte ich Species in Pieces: Eine interaktive Ausstellung »: Species in Pieces (Projekt) »

Des Weiteren habe ich mich mit Interaction Design beschäftigt. So z. B. mit Conversational User Interfaces, welche teilweise die graphischen Benutzeroberflächen ersetzen sollen. Zudem find ich den Ansatz der emphatischen Interaktion interessant, welcher sich darauf konzentriert, inwiefern Rückmeldungen für den Menschen wichtig und sinnvoll sind. Ein schönes Beispiel fand ich hier das eines Baggerfahrers, der jahrelang Bagger fährt und plötzlich eine Fernbedienung bekommt. Hier muss durch Rückmeldung wieder eine Verbindung zum Material aufgebaut werden.
CUI – Conversational User Interface »
Natural User Interface – Die unsichtbaren Schnittstellen »
Empathische Interaktion »

Medieninstallation

Abschließend stelle ich zwei Installationen von Markus Kison vor. Eine davon ist »Pulse« dessen Zentrum ein Gummiobjekt ist, das auf dessen acht Seiten die Grundemotionen des Menschen darstellt. Die Daten kommen dabei via APIs n Echtzeit aus WordPress-Blogs.
»Pulse« von Markus Kison »
»Touched Echo« von Markus Kison »

Der momentane Stand ist der, dass ich große Motivation habe eine Medieninstallation zu bauen, die in irgendeiner Form auf Echtzeitdaten zurückgreift. Dafür werde ich weiter recherchieren, um genaueres über Technologie und Medienechnik zu erfahren.

Abbildungen
  1. Titelbild: Studio SML: Projekte – Deutsches Filmmuseum Frankfurt, Änderung zum Zweck der Präsentation meiner Recherche: Headline sowie Quellenangabe, abgerufen am 30.1.2016.

Gegen das Absolute

Inwieweit wird es in Zukunft noch das Absolute geben? Ist alles relativ und im stetigen Wandel? Bleibt alles ein langer Prozess?

»absolute Vielem Flusser«, herausgegeben von Nils Roller und Silvia Wagnermaier, enthält neben Essays von Villem Flusser unter anderem ein Gespräch zwischen dem Medienphilosophen und Florian Rötzer aus dem Jahr 1991. Ein Zitat Flussers halte ich dabei für besonders interessant: »Mir gefällt das Wort ›virtuell‹ gar nicht, weil es unter anderem viele Macho-Konnotationen hat. Da es keine nicht-virtuelle Realität gibt, da Realität nur ein Grenzbegriff ist, dem wir uns nähern und den wir nie erreichen können, kann ich von alternativen Weisen des Erreichen von Realität sprechen.«1

Diesen Gedanken finde ich insofern spannend, da häufig der Unterschied zwischen nicht-virtueller und virtueller Realität gemacht wird. In meinem Beitrag »Erkenntnisse und Eindrücke: Luciano Floridis Buch ›Die 4. Revolution‹« beschäftigte ich mich bereits in Bezugnahme auf Luciano Floridi mit der Unterscheidung dieser zwei Zustände. Floridi, dessen Buch jedoch grob 35 Jahre später erschien und somit eine ganz anderen Perspektive besitzt, spricht davon wie innerhalb der Infosphäre Virtuelles und Nicht-Virtuelles verschwimmen.2 Unter anderem deshalb, da die vermeintliche Wirklichkeit auch von Menschenhand geschaffen ist.3

Diese Ansicht Floridis konnte ich voll und ganz nachvollziehen. Nun erscheint mir Flussers Aussage jedoch zunehmend schlüssiger. Zwar hatte Flusser damals sicher nicht die leiseste Ahnung, was das World Wide Web und die Technologie im generellen noch mit sich bringen werden. Doch entspricht diese Ansicht viel mehr der heutigen Lebenswelt, die noch weniger als früher in schwarz und weiß aufzuteilen ist. Weiter fordert er im gleichen Gespräch, dass wir immer relative Begriffe haben und uns abgewöhnen müssen, mit absoluten Begriffen zu arbeiten.4
Dem Absoluten widerspricht auch Dr. Markus Gabriel, der in seinem Buch »Warum es die Welt nicht gibt« klar macht, dass es nicht die eine Welt gibt und sie in Sinnfelder einteilt.

Unabhängig vom World Wide Web, ist es heutzutage nicht nur möglich, sondern auch anerkannt, dass jeder Menschen seinen eigenen Lebens­entwurf verwirklicht. Jeder Mensch hat dabei seine eigenen Sinnfelder, Realitäten und Wahrnehmungen, welche er ohne Umschweife jederzeit wieder ändern oder parallel leben kann. Bei Facebook ist es nun möglich aus über 50 Geschlechtern zu wählen, was bedeutet, dass in unserer Gesellschaft selbst physische Eigenschaften relativ geworden sind. Des Weiteren richtet sich die komplette Industrie danach, den individuellen Bedürfnissen, Lebensentwürfen und Wirklichkeiten gerecht zu werden. Es gibt im Grunde nichts, was man nicht haben oder tun kann.

Es ist noch immer utopisch zu denken, dass absolut jeder alles machen und ausleben kann. Doch spielen frühere, feste Strukturen, sei es in der Familie oder bei den Themen Bildung und Beruf, eine immer kleinere Rolle. Die Strukturen werden aufgebrochen, die Welt wird relativ und das »Virtuelle« gehört genauso zu unserer Realität wie das, was wir im allgemeinen Gebrauch als Nicht-Virtuell ansehen. So gehören algorithmische Maschinen in die gleiche Lebenswelt wie die Natur an sich.

In einem weiteren Gedanken, stellt sich mir die Frage, ob es das Absolute auch im Hinblick auf Designprodukte überhaupt noch geben wird oder alles ein stetiger Prozess bleibt. Zwar sind analoge Flyer nach wie vor fertige Produkte, doch neben sich ohnehin stetig verändernden digitalen Produkten, werden schon viele analoge Produkte mit dem Nicht-Absoluten ausgestattet. Bücher enthalten Links oder Augmented Reality-Inhalte. Manche sind sogar so konzipiert, dass sie stets erweiterbar sind. Aus meiner Sicht sind das nur Hybridmedien, die irgendwann den nächsten Schritt machen werden. Dorthin, wo nichts mehr absolut und in Stein gemeißelt ist. Dieser Ansatz, dass nichts absolut und alles in Bewegung ist, wird mich sicher noch weiter in meiner Masterarbeit begleiten.

Quellen
  1. Rötzer, Florian: »Gespräch mit Florian Rötzer, München 1991« in: Röller, Nils; Wagnermaier, Silvia (Alle Hg.): »absolute Vilém Flusser«, Freiburg 2003, S. 11 f.
  2. Vgl. Floridi, Luciano: »Die 4. Revolution – Wie die Infosphäre unser Leben verändert«, Berlin 2015, S. 9.
  3. Vgl. Ebd., S. 329.
  4. Vgl. Rötzer, Florian: »Gespräch mit Florian Rötzer, München 1991« in: Röller, Nils; Wagnermaier, Silvia (Alle Hg.), »absolute Vilém Flusser«, Freiburg 2003, S. 13.

Neuer Raum – neue Zeit: Neu denken

Das Digitale definiert räumliche und zeitliche Gegebenheiten nicht nur neu, sondern stellt sie gänzlich auf den Kopf. Eine einfache Übertragung von Nicht-Virtuellem ins Virtuelle erfüllt dabei nicht alle Ansprüche. Die Virtuelle Welt muss neu erdacht werden.

In meinem Beitrag »Das globale Dorf – Raum, Zeit und Dynamik« ging es im Zusammenhang mit Marshall McLuhan bereits um die Auflösung von Raum und Zeit. Dort gehe ich schon im Detail auf seine Ausführungen ein.

Nach wie vor fällt es mir schwer, die im orientalischen und asiatischen Raum vorherrschende Denkweise nachzuvollziehen. Während ich als abendländischer und sequentiell denkender Mensch, Information strukturell einordne, führt die Prägung durch die rechte Gehirnhälfte dazu, dass dort Geschehnisse und Prozesse in gleichzeitige Beziehung gesetzt werden.

Zwar war mir durch McLuhan damals schon klar, dass Information unabhängig von Raum und Zeit transportiert werden kann und sich dadurch beide auflösen. Das Buch »Kultur der Digitalität« von Felix Stalder lässt mich jedoch erst jetzt verstehen, inwiefern sich die abendländische Denkweise an die asiatische anpassen wird und was die Auflösung von Zeit und Raum bedeuten kann.

Wörtlich schreibt Felix Stadler folgendes: »Der raumzeitliche Horizont der digitalen Kommunikation ist eine globale, das heißt ortlose Dauergegenwart. Die technische Vision der digitalen Kommunikation ist immer das Hier und Jetzt. Bei verzögerungsloser Informationsübertragung ist alles, was nicht ›hier‹ ist, unerreichbar und alles, was nicht ›jetzt‹ ist, verschwunden«1. Des Weiteren beschreibt er, dass versucht wird eine »endlose globale Gegenwart« herzustellen.2

Diesen Absatz finde ich in zweierlei Hinsicht sehr spannend. Zum einen macht es mir wie bereits erwähnt verständlicher, was die Auflösung von Zeit und Raum bedeuten kann: Zeitliche und räumliche Grenzen werden binnen Millisekunden überwunden, was unserer gewohnten Welt und Physis widerspricht. Zwar bewegen wir uns immer schneller fort, doch die Vision des Beamens, spricht einer ähnlich schnellen Überwindung von Zeit und Raum innerhalb von Millisekunden, bleibt bisher nur eine große Sci-Fi-Utopie.
Zum anderen besteht das Internet aus dem Hier und Jetzt. Neben Stalders genannten Punkten bedeutet das: Vergangene Inhalte spiegeln zwar bedingt eine zeitliche Abfolge wider, aber durch den digitalen Gedächtnisverlust – mit dem ich mich näher in »Die Hypergeschichte« auseinandersetze – bedeutet das nicht zwingend, dass das Internet eine geschichtliche Abfolge anzeigt. Im Gegenteil: Durch Datenverlust (sei es durch Löschung oder Nichtüberführung in neue Technologien), Überspeicherung und Veränderung tritt ein Zustand der Geschichtslosigkeit sowie eine immer währende Gegenwart ein. Im Gegensatz zu meiner damaligen Vermutung bin ich nun überzeugt davon, dass nachfolgende Generationen durchaus eine gewisse geschichtliche Abfolge nachvollziehen können. Damit große Ereignisse und allgemeine Errungenschaften einfach so verloren gehen, müsste sehr viel passieren. Für viel problematischer halte ich es jedoch zwischenzeitlich für Inhalte, die nicht von allgemeiner Wichtigkeit sind. Unabhängig von Content-Art, sei es Firmen-Website, Portfolio oder soziales Netzwerk sehe ich riesige Verluste, wenn diese gelöscht werden. Für uns ist es heute eine einfache Überarbeitung der Website, da man die alte nicht mehr für zeitgemäß oder schön hält. Für die Zukunft bedeutet das ein fehlendes Teil Geschichte. Wenn man bedenkt, dass für die heutige historische Forschung jede Banalität wie z. B. Essbesteck von großer Bedeutung ist, um frühere Zustände zu rekonstruieren, ist dieser Gedanke nicht zu unterschätzen und meiner Meinung nach sogar extrem wichtig.

Abschließend möchte ich noch auf die Bibliothek Europeana zu sprechen kommen, die mir bereits bekannt war und von Stalder kurz angerissen wird. Er führt aus, dass in dem Archiv Schätzungen zu Folge vierzig Millionen Objekte vorhanden sind und insgesamt in den »europäischen Archiven und Museen mehr als 220 Millionen natur- und 260 kulturgeschichtliche Objekte«3 lagern. Zum einen hält er es für problematisch, dass es »schwer festzustellen ist, ob ein bestimmtes Werk, eine entscheidende Referenz fehlen, wenn an seiner oder ihrer Stelle eine Fülle anderer gefunden wird«4. Zum anderen merkt er an, dass sich einzelne Objekte aus ihrer übergeordneten Narration lösen, die das Museum oder Archiv hergestellt haben. Dadurch werden sie zum einen bedeutungsoffener und zudem besteht der einzige Zusammenhang zwischen Suchanfrage und die durch Suchalgorithmen gefundenen Ergebnisse.5
Ersteres hinterfragt die Vollständigkeit. Wird es gelingen alle Objekte digital zugänglich zu machen? Meine persönliche Meinung: Ja. Aus meiner Sicht ist es nur eine Frage der Zeit. Für Probleme, die es in diesem Zusammenhang gibt, z. B. rechtliche Hürden, wird es langfristig eine Lösung geben. Zudem sollte es ein Anliegen aller sein, kulturelle Objekte für alle zugänglich sowie konservierbar zu machen.
Dass sich die Objekte aus ihrer Narration lösen, halte ich für ein viel größeres Problem. Sicherlich kann man einzelne, nicht-virtuelle Gegebenheiten ins Digitale bringen, doch eine komplette Übertragung halte ich für fast unmöglich. So kann man beispielsweise bestimmten Werke auch im Digitalen ihren Platz in bestimmten Sammlungen geben, bei der Übertragung von Orten bin ich jedoch sehr kritisch. Ob ein Werk im Guggenheim-Museum in Bilbao oder im Pariser Louvre steht, macht manchmal durchaus einen Unterschied. Das einfach nur zu wissen, reicht aus meiner Sicht nicht aus. Daher wird es an dieser äußerst Stelle wichtig werden, nicht nur eine einfache Digitalisierung zu vollziehen, sondern eine tatsächliche Transformation. Die Orte Museum und Archiv müssen komplett neu gedacht werden.

Insgesamt hat mich Stalders Buch nicht begeistert, da es mir trotz vorgestellter Struktur teilweise als lose Sammlung sämtlicher digitaler Themen vorkam. Dennoch konnte ich zum einen Antworten auf Fragen finden und zum anderen hat es mich in vielerlei Hinsicht zu neuen Fragen inspiriert. Allein dafür hat sich das Buch zur Recherche definitiv gelohnt.

Quellen
  1. Stalder, Felix: »Kultur der Digitalität«, Berlin 2016, S. 147.
  2. Vgl. Ebd.
  3. Ebd., S. 107.
  4. Ebd., S. 112.
  5. Vgl. Ebd., Berlin 2016, S. 115.

the surface: Resümee

Das Projekt »the surface«, das Teil der Ausstellung »Planet B – 100 Ideen für eine neue Welt« im NRW-Forum sein konnte, wurde von den Besuchern gut angenommen. Es löste wie erhofft Diskussionen aus und wurde als radikalstes Konzept der Ausstellung wahrgenommen.

Das Projekt »the surface«, das Teil der Ausstellung »Planet B – 100 Ideen für eine neue Welt« im NRW-Forum sein konnte, wurde von den Besuchern gut angenommen. Es löste wie erhofft Diskussionen aus und wurde als radikalstes Konzept der Ausstellung wahrgenommen.

Schon von Weitem konnte der monotone Sound wahrgenommen werden, der die gedrückte Stimmung der geloopten Videos unterstrich. Diese Atmosphäre passte hervorragend zu unserem dystopischen Ansatz und insgesamt funktionierte das Ausstellungskonzept weitaus besser als ursprünglich angedacht. Die Entscheidungen mit Sound und mehreren Bildschirmen – anstelle nur eines Bildschirms – zu arbeiten, waren dabei die wichtigsten.

Abschließend sind wir sehr zufrieden mit dem Ergebnis und denken darüber nach »the surface« noch einmal in einem anderen Kontext auszustellen. Interessant wäre dabei die Wirkung des Projekts, wenn es abgelöst vom Gesamtkontext zugänglich ist. Sprich ohne das Wissen, dass »eine Idee für eine neue Welt« gesucht wurde, sowie ohne weitere Projekte in unmittelbarer Nähe, die die weltferne Stimmung sicherlich stark unterstützt haben.

Planet B: Superstudio und Supertrees

In unseren Recherchen zu unserem Projekt für das NRW-Forum stoßen wir zum einen auf die Architektengruppe »Superstudio« sowie die »Supertrees« in Singapur.

In unseren Recherchen zu unserem Projekt für das NRW-Forum (Projekt für die Ausstellung »Planet B – 100 Ideen für eine neue Welt!« im NRW-Forum ») stoßen wir zum einen auf die Architektengruppe »Superstudio« sowie die »Supertrees« in Singapur.

Supersurface

Superstudio entwickelt 1972 in Form eines Films ein alternatives Model für das Leben auf der Erde: »Supersuperficie« (Superoberfläche). Der Film sollte dabei der erste aus einer Reihe von fünf sein und das Leben (Vita) als eine der fünf grundlegenden Handlungen im menschlichen Leben darstellen. Die weiteren vier sind Bildung, Zeremonie, Liebe und Tod. Sie kritisieren mit ihrer Arbeit und einem weiteren Projekt »Twelve Ideal Cities« auf ironische Art und Weise einen Ansatz der Architektur der 60er Jahre: Eine weltumspannende Megastruktur zu schaffen. Sie entwickeln dafür ein schwarzes Grid, das sich über die Welt zieht.

Supertrees

Die Supertrees im Garden by the Bay in Singapur wirken auf uns futuristisch und gleichzeitig befremdlich. Die Metallkonstruktionen, an der Pflanzen empor wachsen können, ragen 50 Meter weit in den Himmel und tragen vor allem Nachts mit Licht und Sound, zu einem weltfremden Gesamtbild bei. Die Natur wird hier durch Metall ersetzt, was unserem Ansatz, die Natur zu vernichten, sehr nahe kommt.

Unser Projekt

Im Verlauf der Recherche, halten wir fest, dass wir eine Hommage an Superstudio erschaffen wollen, indem wir das Projekt weiterentwickeln und weiter ausreizen möchten. Die Megastruktur und des Grid scheinen uns für unsere Arbeit, die den vorläufigen Titel »the surface« trägt, eine gute Grundlage zu sein.

Projekt für »Planet B – 100 Ideen für eine neue Welt!« im NRW-Forum

Durch den Dozenten Merlin Baum, der im Sommersemester 2016 den Kurs »Interface Prototype« anbietet, haben wir die Möglichkeit ein Projekt für die Ausstellung »Planet B – 100 Ideen für eine neue Welt!« zu entwickeln. In einem ersten Brainstorming sammeln wir erste Ideen.

Durch den Dozenten Merlin Baum, der im Sommersemester 2016 den Kurs »Interface Prototype« anbietet, haben wir die Möglichkeit ein Projekt für die Ausstellung »Planet B – 100 Ideen für eine neue Welt!« im NRW-Forum Düsseldorf zu entwickeln.

Im ersten Brainstorming stellt sich die Frage, was der Planet B für uns ist. Es könnte ein anderer, neuer Planet sein, unser Planet in 1000 Jahren oder eine frühere Welt, die z. B. als Parallelwelt existiert. Es gibt z. B. die Ideen einen Planeten mittels 3D-Drucker selbst zu bauen oder unseren durch funktionierende Konzepte zu retten. Man könnte des weiteren die Erde nochmal auf Null setzen oder eine effizientere Natur erschaffen, da diese versagt hat.

Wir verfolgen den Ansatz, dass die Natur versagt hat weiter und stellen fest, dass die Vernichtung der Natur die einzige Lösung sein kann. Diesen, natürlich nicht ganz ernst zu nehmenden, Gedanken möchten wir vertiefen und in den nächsten Wochen weiter entwickeln.

Shoppen oder Sitzenbleiben während Kinofilmen

Im Essay »Keine Eile, keine Zeit. Zur Frage der richtigen Dauer eines Films« beschreibt Vinzenz Hediger unter anderem, dass Filme früher »in Loops als Dauerschleife« im Kino liefen. Daher gab es in Hollywood-Filmen häufig Redundanzen, um auch den Zuschauern, die mitten im Film ins Kino kamen, die Gelegenheit zu geben, die Erzählung zu verstehen.

Das Buch »Expanded Narration. Das Neue Erzählen« von Bernd Kracke und Marc Ries (Hg.) vereint Essays zur B3 Biennale des Bewegten Bildes, die sich ganz dem Geschichten erzählen im digitalen Zeitalter widmet.

Im Essay »Keine Eile, keine Zeit. Zur Frage der richtigen Dauer eines Films« beschreibt Vinzenz Hediger unter anderem, dass Filme früher »in Loops als Dauerschleife« im Kino liefen. Daher gab es in Hollywood-Filmen häufig Redundanzen, um auch den Zuschauern, die mitten im Film ins Kino kamen, die Gelegenheit zu geben, die Erzählung zu verstehen. Lediglich Hitchcock begann mit der Forderung, dass man Psycho »am besten von Anfang an schaut«.1

Andy Warhol schaffte dagegen mit »Empire« einen 8-stündigen Film, weil er zum einen gegen das Sitzenbleiben rebellieren wollte und zum anderen sollte man die Möglichkeit haben, während des Films raus zu gehen, um z. B. einzukaufen.2
»Inception« oder »The Sixth Sense« werden als aktuelle Beispiele genannt, in denen es den Versuch gibt, Geschichten in Fragmenten zu erzählen.3

Wie man sieht, ist unsere heutige Film- und Kinokultur, bei der man Filme bestenfalls von der ersten Sekunde an schaut, gar nicht so alt. Der naheliegende Gedanke ist, dass so auch weitaus kompliziertere Geschichten erzählt werden können, wenn nicht ständig Redundanzen auftauchen und das Level nicht auf einem »Ich kann immer einsteigen und verstehe es dennoch«-Level bleibt. Zwar möchte ich nicht behaupten, dass man zeitgenössische Beispiele wie »Inception« und »The Sixth Sense« unabhängig vom Einstieg versteht, dennoch zeigen die Filme einen hohen Grad an Komplexität.
Hedigers Essay bringt mich in meinem Masterthema in meinen Überlegungen zu gleichzeitigen Erzählungen weiter. Ich habe mich mit Marshall McLuhan beschäftigt (Das globale Dorf – Raum, Zeit und Dynamik »), der davon spricht, dass wir zunehmend in einer gleichzeitigen Welt leben. Als westlicher Mensch – und damit als sequentiell denkender und visuell geprägter Mensch – fällt mir die Vorstellung von Gleichzeitigkeit schwer. Obwohl ich seinen Ansatz sehr spannend finde, befürchte ich ihn nicht im Detail zu verstehen. Dennoch motiviert er mich, eine Erzählung zu entwickeln, die sich in ihrer Gleichzeitigkeit auflöst. Ich finde es interessant, dass nur vor wenigen Jahrzehnten Filme im Loop gezeigt wurden. Momentan überlege ich, eine Erzählung mit animierten GIFs oder Cinemagraphs zu schaffen, welche für mich die Grundeigenschaft der Wiederholung in sich tragen. Zwar bedeutet animierte GIFs nicht gleichermaßen, dass sie eine Wiederholung in sich tragen. So wie sie jedoch heute in sozialen Netzwerken verwendet werden, wird ihnen diese Eigenschaft aufgesetzt. Ich kann mir vorstellen, dass in einer Rauminstallation mit mehreren Bildschirmen Loops gezeigt werden und sich der Betrachter selbst die Erzählung erschließt. Doch bis dahin ist es noch ein langes Vorhaben.

Quellen
  1. Kracke, Bernd; Ries, Marc (Hg.): »Expanded Narration. Das neue Erzählen«, Bielefeld 2013, S. 202.
  2. Vgl. Ebd.
  3. Vgl. Ebd., S. 203

Selbstbestimmungstheorie

Die Selbstbestimmungstheorie nach Edward K. Deci und Richard M. Ryan hebt unter anderem die drei grundlegenden psychologische Bedürfnisse des Menschen offen. Darunter fallen die Bedürfnisse nach Kompetenz oder Wirksamkeit, Selbstbestimmung und sozialer Zugehörigkeit.
Dennis Eick bringt in seinem Buch »Digitales Erzählen« diese Theorie, die sich unter anderem auch mit den Themen Motivation und dem davon abhängigen Verhalten auseinandersetzt, in Zusammenhang mit Erzählungen.

Die Selbstbestimmungstheorie nach Edward K. Deci und Richard M. Ryan hebt unter anderem die drei grundlegenden psychologische Bedürfnisse des Menschen offen. Darunter fallen die Bedürfnisse nach Kompetenz oder Wirksamkeit, Selbstbestimmung und sozialer Zugehörigkeit.1
Dennis Eick bringt in seinem Buch »Digitales Erzählen« diese Theorie, die sich unter anderem auch mit den Themen Motivation und dem davon abhängigen Verhalten auseinandersetzt, in Zusammenhang mit Erzählungen. Er führt aus, dass traditionelle Medien Unterhaltung ansprechen, während transmediale Erzählungen genau diese drei Bedürfnisse ansteuern können.2

Zwar führen Deci und Ryan ihre Theorie sehr detailliert aus, ich möchte dabei jedoch nicht in die Tiefe gehen. Im momentanen Status reicht es für meine Recherchearbeit aus, an der Oberfläche zu kratzen.
Grundsätzlich besitzt jeder Mensch das Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit. Nach einem Umfeld, in das er fest eingebettet ist und in dem er selbst wirken kann. Diese Wirksamkeit möchte der Mensch aus eigenem Willen erreichen. Er möchte zu Nichts gezwungen werden, sondern aus seiner Autonomie heraus über sein Handeln entscheiden.3

Wie in einem vorherigen Beitrag über die natürliche Art der Erzählung erwähnt (Eigenschaften neuer Erzähl-Formate ») halte ich die soziale Komponente für eine sehr wichtige neuer Erzählungen. Menschen wollen sich in einem sozialen Umfeld einfinden und verbunden sein. Auch die zwei weiteren Bedürfnisse sind aus meiner Sicht Teil der neuen Erzähl-Formate. So halte ich zum einen Interaktivität für eine wichtige Komponente, die sich in beiden, der Wirksamkeit und der Selbstbestimmung, niederschlägt. Zum anderen können Social Media Konzepte wie bei About:Kate (About: Kate ›Wann haben Sie bemerkt, dass Sie nicht mehr wissen, wer Sie sind‹ ») zumindest auf kurze Dauer interessant sein. Meine persönliche Einschätzung ist, dass dieses Konzept nicht für mehrere Jahre trägt, da sich Menschen in ihrer Selbstbestimmung sicher angegriffen fühlen werden, wenn sie merken, dass ihnen etwas unbewusst aufgedrängt wird.

Ich persönlich halte die Selbstbestimmungstheorie für eine für Gestalter interessante Theorie, da es auch für uns interessant ist, diese drei Grundbedürfnisse des Menschen zu befriedigen. Daher möchte ich mich an anderer Stelle noch einmal detaillierter damit auseinandersetzen.

Quellen
  1. Vgl. Deci, Edward L.; Ryan, Richard M.: »Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation und ihre Bedeutung für die Pädagogik«, 1993, URL: https://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/fileadmin/Redaktion/Institute/Allgemeine_Sprachwissenschaft/Dokumente/Bilder/1993_DeciRyan_DieSelbstbestimmungstheoriederMotivation-German.pdf, S. 2, abgerufen am 15.2.2016.
  2. Vgl. Eick, Dennis: »Digitales Erzählen – Die Dramaturgie der neuen Medien«, Konstanz und München 2014, S. 103.
  3. Vgl. Deci, Edward L.; Ryan, Richard M.: »Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation und ihre Bedeutung für die Pädagogik«, 1993, URL: https://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/fileadmin/Redaktion/Institute/Allgemeine_Sprachwissenschaft/Dokumente/Bilder/1993_DeciRyan_DieSelbstbestimmungstheoriederMotivation-German.pdf, S. 3, abgerufen am 15.2.2016.

Die 4. Revolution

Luciano Floridi beschreibt in seinem Buch »Die 4. Revolution« die 4. Kränkung der Menschheit. Können wir uns anderen Aufgaben widmen, um auf eine höher Entwicklungsstufe zu gelangen?

Im Buch »Die 4. Revolution« beschreibt der Informationsphilosoph Luciano Floridi, dass die Informationsrevolution, die durch Alan Turing verursacht wurde, die 4. Kränkung der Menschheit ist.

Vorangegangen sind dieser die Kopernikanische, Darwinsche und Freudsche Kränkung. Durch Kopernikus wird klar, dass die Erde nicht der Mittelpunkt der Welt ist, sondern dass wir in einem heliozentrischen Kosmos leben. Darwin beweist mit seiner Evolutionstheorie, dass der Mensch kein Übergeschöpf ist, sondern lediglich eine Weiterentwicklung des Tiers, was die 2. Kränkung der Menschheit bedeutet. Der Mensch wird dabei zunehmend aus seiner zentralen Rolle verdrängt. Während man nun dachte, dass man zumindest sich selbst transparent ist, entdeckt Freud (auch folgend von der neuronalen Forschung) das Unterbewusstsein. Hier wird deutlich, dass wir uns nicht einmal selbst vollständig unter Kontrolle haben, sondern viele Dinge unterbewusst ablaufen. Was für uns heutzutage normal ist und mitnichten einer Kränkung gleich kommt, war für die Menschen ein revolutionärer Schlag. Dem würde wohl gleichkommen, wenn wir nun weiteres intelligentes Leben im Universum finden würden und dann auch noch feststellen müssten, dass wir nicht die einzigen Wesen sind, die so hoch entwickelt sind. Während die ersten drei Revolutionen allgemein anerkannt sind, gibt es für die vierte Revolution noch keine einheitliche Ansicht. Floridi beschreibt sie jedoch als Informationsrevolution, in der nun auch die Maschine dem Menschen, vor allem in der logischen Informationsverarbeitung, weit voraus ist. Die Maschine rechnet nicht nur schneller, sondern erledigt selbst große und komplizierte Rechenoperationen mit ziemlicher Sicherheit korrekt.

Für mich ist das deshalb interessant, weil das bedeutet, dass dieser Umbruch einen gesellschaftlichen Wandel in eine unbestimmte Richtung mit sich bringt. Zwar ist die Tatsache, dass Maschinen schneller als Menschen rechnen, im Jahr 2015 keine große Sache mehr und führt auch nicht zu der großen Kränkung schlechthin. Dennoch bemerkt man, dass der Mensch in Konkurrenz mit der Maschine tritt. Das betrifft vor allem Bereiche, die wir Menschen den Maschinen weder zutrauen noch überlassen wollen. Dazu gehören z. B. Entscheidungen treffen oder ihnen »subjektive« Bewertungen nach ästhetischen Gesichtspunkten zu überlassen. Zwar ist es aus meiner Sicht noch unvorstellbar, jedoch halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass diese Fähigkeiten, die üblicherweise dem Menschen zugerechnet werden, immer ausgefeilteren Algorithmen übergeben werden. Zwar kann sich der Algorithmus nicht von selbst verändern, sondern ist im Ursprung immer menschgemacht, dennoch halte ich es für möglich, dass dieser irgendwann so ausgefeilt ist, dass zumindest eine sehr glaubwürdige Imitation von echten Menschen durch KI‘s möglich ist.

Insgesamt bedeutet das, dass wir unsere Aufgaben und unsere Position weiter überdenken müssen. Es bleibt essentiell, die Fähigkeiten, die ein Computer tatsächlich besser kann, auszulagern und unser Bewusstsein für andere Dinge zu schärfen. Hierzu zählen möglicherweise vor allem die musischen Bereiche, die wir dem Computer nicht zutrauen. Überlassen wir dem Computer logische Aufgaben vollständig oder zumindest unter Beobachtung, könnte die Menschheit an anderen Aufgaben wachsen und unter Umständen sogar auf eine ganz neue Entwicklungsstufe gelangen.

Quellen
  1. Vgl. Floridi, Luciano: »Die 4. Revolution – Wie die Infosphäre unser Leben verändert«, Berlin 2015, S. 122 f.
  2. Vgl. Ebd.

Von Dildodrohnen und lolzcat

Die Arbeiten von Addie Wagenknecht drehen sich im Kern um die »Kritik an Technikgläubigkeit. Experimentell und »positiv trashig« verarbeitet sie aktuelle, gesellschaftliche Themen oder stellt Historisches in Bezug zur heutigen Welt.

Durch arte Tracks wurde ich auf die Künstlerin Addie Wagenknecht aufmerksam, deren Arbeiten sich im Kern um die »Kritik an Technikgläubigkeit«1 drehen. Experimentell und »positiv trashig« verarbeitet sie aktuelle, gesellschaftliche Themen oder stellt Historisches in Bezug zur heutigen Welt.

»Webcam Venus«

In ihrem Projekt »Webcam Venus« bittet sie beispielsweise gemeinsam mit Pablo Garcia, »online sexcam performers«2 vor der Kamera zu posen – in der gleichen Pose wie ein gegenübergestelltes Renaissance-Gemälde. Dabei geht es um die Frage nach Schönheit in unserer Gesellschaft, aber auch um die Menschen hinter der Webcam, die – dort am anderen Ende – auch reale Personen sind. Ihre Privatsphäre und Intimität wird dabei in die Welt getragen und die Grenzen zwischen dem realen und virtuellen Leben verschwimmen zunehmend. Auch die virtuelle Welt ist Teil des Realen.

»Pussy Drones«

Dass die virtuelle Welt Teil des Realen ist und sich unsere Onlinewelt auf die Offlinewelt auswirkt, ist auch ein Teilaspekt der Arbeit »Pussy Drones«. Sie vermischt in gif-Animationen Elemente aus dem Web, wie z. B. Katzen, die auf einem Vibrator fliegen, mit Elementen aus dem »realen« Leben. Gleichzeitig beschäftigt sich die Arbeit, wie auch andere zuvor, mit der Rolle der Frau. Noch immer kämpfen Frauen – v.a. in der Technikwelt – um Gleichstellung und Akzeptanz. Noch immer scheint die Aufgabe der Frau stark davon geprägt zu sein, ein klares geordnetes Leben zu führen, das aus einer gesellschaftlich diktierten Abfolge von Heirat, Haus und Kinder besteht.3

Es könnte – spekuliert – auch eine Kritik an der Ökonomisierung des Webs sein. In den 90er Jahren – zu Beginn des World Wide Webs – hielt man das WWW für einen Nischenraum, in der sich z. B. Kunst unter anderen Bedingungen als in der realen Welt ausbreiten könnte. Nach anfänglichen Schwierigkeiten (Dotcom-Blase) wurde aber auch dieser Raum zum einen wirtschaftlich erschlossen, zum anderen ist er zwischenzeitlich alles andere als ein anonymisierter Nischenraum, der nichts mit der realen Welt zu tun hat.

»Pussy Drones« von Addie WagenknechtI
»Pussy Drones« von Addie WagenknechtII

Mit den Arbeiten von Addie Wagenknecht möchte ich mich gerne in meiner weiteren Recherche beschäftigen. Sie scheint ihre Meinung, Kritik oder Sorgen mit klarem Verstand auf den Punkt bringen zu können, was ich in der heutigen Zeit sehr beeindruckend finde. Des Weiteren fällt mir die experimentelle und die oben erwähnte »positive Trashigkeit« auf. Sie schafft es auf unkonventionelle Weise Arbeiten zu schaffen, die sehr direkt und tiefgründig sind. Ohne endlose Ausschmückungen und großes BlaBla.

Quellen
  1. Arte Tracks News (Hg.): »Addie Wagenknecht«, Stand: 5.9.2015, URL: http://tracks.arte.tv/de/addie-wagenknecht, abgerufen am 12.10.2015.
  2. Wagenknecht, Addie: »Webcam Venus«, Stand: 5.3.2013, URL: http://fffff.at/webcamvenus/, abgerufen am 12.10.2015.
  3. Vgl. bitforms gallery (Hg.): »Addie Wagenknecht«, URL: http://www.bitforms.com/wagenknecht/pussy-drones, abgerufen am 12.10.2015.
Abbildungen
  1. Titelbild: Wagenknecht, Addie; Garcia, Pablo: »Pussy Drones«, Einzel-GIF »Pussy Drones in space«, Animiertes GIF, USA 2013.
  2. Wagenknecht, Addie; Garcia, Pablo: »Pussy Drones«, Einzel-GIF »Pussy Drones infiltrate Wal Mart«, Animiertes GIF, USA 2013.