Die Hypergeschichte

Deutschland sowie vor allem die weiteren G7-Länder Frankreich, Italien, Großbritannien, Kanada, Japan und die USA befinden sich momentan im Übergang zur Hypergeschichte. Das macht sich vor allem durch die wirtschaftliche Abhängigkeit von Informationen bemerkbar. Immerhin basieren in den G7-Staaten etwa 70 % des BIP auf ihnen. Gleichermaßen sind Informationen ein entscheidender Faktor, den Wohlstand zu verbessern und die Entwicklung von Innovation voranzutreiben.1
Zudem macht sich der Übergang durch stetig wachsende Rechenleistungen und steigenden Datenmassen ersichtlich. Der Speicher wird, laut Floridi, knapper und Netzwerkverbindungen stoßen an ihre Grenzen.2 So wurde beispielsweise der Standard IPv4 bereits von IPv6 abgelöst, um mehr Verbindungen – nämlich 18-stellige statt 12-stellige IP-Adressen – zu ermöglichen.

Der Umgang mit Informationen

Während in der »Geschichte« bedacht ausgewählt wurde, welche Informationen auf Papyrus, Tontafeln, usw. festgehalten werden sollten, werden sie in der Hypergeschichte zunächst gehamstert. Alles wird gespeichert, um dann sorgfältig auszuwählen, was wieder gelöscht werden soll.3 Diese Eigenart der Hypergeschichte, sowie andere Eigenschaften der »digitalen Welt« führen zum »Digitalen Gedächtnisverlust« – dem Verlust von Informationen.

Zum einen ist dieser Verlust darin begründet, dass Technologien nicht nur weiterentwickelt, sondern gänzlich ersetzt werden. Nicht jede Information schafft es dabei in die neue Technologie übernommen zu werden, veraltete Technologien können häufig durch das Fehlen der nötigen Geräte oder Hardware nicht mehr verwendet werden. Beispielsweise ist nicht jeder Song einer Schallplatte auf einer Kassette zu finden; nicht jeder Song einer Kassette wurde in die Technologie der CD oder MP3-Datei übertragen. Ein weiteres Beispiel ist die Diskette, die als Datenträger längst ausgedient hat und das zugehörige Floppy-Laufwerk ist nur noch selten aufzufinden. Selbst der Untergang von CDs scheint im Gange zu sein: Apple setzt schon jetzt auf Macbooks ohne CD-Laufwerk.4

Ein weiterer Grund für den digitalen Gedächtnisverlust ist die Überspeicherung von Daten. Neue Webseiten ersetzen alte Webseiten. Die Änderungen eines Textes in Text-Programmen werden nicht als neue Datei abgespeichert, sondern bestehende Text-Dateien werden überspeichert. Zum einen gehen hierdurch natürlich Daten verloren und Varianten werden verschmolzen. Zum anderen werden die Dokumente durch das erneute, veränderte Abspeichern in einen Zustand der Geschichtslosigkeit geführt. Differenzen werden gelöscht, obwohl die Vergangenheit für gewöhnlich eine nachvollziehbare Abfolge von Veränderungen darstellt.5

Zukünftige Generationen können dadurch die geschichtliche Abfolge nicht nachvollziehen. Viel problematischer ist jedoch eine für uns immer währende Gegenwart, das »Einschließen in der ewigen Gegenwart«6, wenn die Vergangenheit stets neu geschrieben wird. Der richtige Umgang mit Informationen ist daher essentiell. Die Schaffung, Gestaltung und Handhabung von Informationen sieht Floridi deshalb als wichtige Basis für die zukünftige Entwicklung der Infosphäre.7

Dieser Überblick steht im direkten Zusammenhang mit Erkenntnisse und Eindrücke zu Luciano Floridis Buch »Die 4. Revolution«, wo ich eigene Erkenntnisse, Eindrücke und Gedanken formuliere.

Quellen
  1. Vgl. Floridi, Luciano: »Die 4. Revolution – Wie die Infosphäre unser Leben verändert«, Berlin 2015, S. 20.
  2. Vgl. Ebd., S. 44
  3. Vgl. Ebd., S. 40
  4. Vgl. Ebd., S. 36 f.
  5. Vgl. Ebd., S. 37
  6. Ebd.
  7. Vgl. Ebd.